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Altersvorsorgedepot: Die Reform ab 2027

Die Reform der privaten Altersvorsorge bringt ein komplett überarbeitetes Fördersystem: Bis zu 540€ Grundzulage, 100% Kinderzulage und erstmals auch Förderung für Selbständige. Hier erfährst du alle Details.

Stand: 10. April 2026
Wichtig zu verstehen

Das Altersvorsorgedepot ist KEIN normales Depot, das du selbst verwaltest. Es ist ein zertifizierter Vertrag mit einem Anbieter (Bank, Versicherung), der dein Geld anlegt. Du kannst keine bestehenden ETFs aus einem privaten Depot übertragen – du zahlst nur Geld ein, das dann vom Anbieter investiert wird.

  • Vertrag mit einem Anbieter (Bank, Versicherung)
  • Anbieter legt das Geld nach Vertragsbedingungen an
  • Keine Übertragung eigener ETFs möglich
  • Max. 1.800€/Jahr gefördert (6.840€ max. Einzahlung)
  • NEU: Auch Selbständige sind förderberechtigt!

Start

1. Januar 2027

Max. Förderung

1.800€ pro Jahr

Max. Grundzulage

540€ pro Jahr

Kinderzulage

100% bis 300€/Kind

Was ist das Altersvorsorgedepot?

Das Altersvorsorgedepot ist ein zertifizierter Altersvorsorgevertrag, den du bei einem Anbieter (Bank, Versicherung, Fondsgesellschaft) abschließt. Anders als ein privates Depot bei einem Neobroker wird das Geld vom Anbieter angelegt – du wählst aus vorgegebenen Optionen. Dafür erhältst du staatliche Zulagen und Steuervorteile. Die Förderung wurde im März 2026 nochmals deutlich verbessert!

🧮 Rechne selbst nach!

Wichtig: Die nachgelagerte Besteuerung kann die Fördervorteile komplett auffressen – besonders wenn du im Alter noch andere Einkünfte hast (Rente, Pension, Mieteinnahmen).

Probiere unbedingt den fortgeschrittenen Modus aus und gib deine erwarteten Einkünfte im Alter an, um ein realistisches Bild zu bekommen.

Zum Rechner

Die drei Produktarten

Nach der Reform gibt es drei verschiedene Produkttypen:

Altersvorsorgedepot (ohne Garantie)
Chancen- und renditeorientierte Anlage in Fonds/ETFs. Der Anbieter legt das Geld nach einer Positivliste zulässiger Vermögensgegenstände an.
Vorteile:
  • Höhere Renditechancen
  • Keine Garantiekosten
Nachteile:
  • Kein Kapitalschutz
  • Wertschwankungen möglich

Für wen? Für alle mit langem Anlagehorizont und Risikotoleranz

Standarddepot (vereinfachte Variante)
Ein besonders einfaches Altersvorsorgedepot mit gesetzlich festgelegten Standardeinstellungen. Der Anbieter wählt zwei Fonds vor: einen vorsichtigen und einen chancenreicheren. Vor Renteneintritt wird automatisch in den sichereren Fonds umgeschichtet.
Vorteile:
  • Keine eigenen Anlageentscheidungen nötig
  • Max. 1% Effektivkosten
  • Einfacher Online-Abschluss möglich
Nachteile:
  • Weniger Auswahl
  • Automatische Umschichtung kann Rendite kosten

Für wen? Für alle ohne Kapitalmarkterfahrung, die sich nicht selbst entscheiden wollen

Garantieprodukt (mit Kapitalerhalt)
Verträge mit 100% oder 80% Garantie auf eingezahlte Beiträge. Der Anbieter garantiert, dass zu Rentenbeginn mindestens 80% oder 100% der Einzahlungen zur Verfügung stehen.
Vorteile:
  • Planungssicherheit
  • Schutz vor Verlusten
  • 80%-Variante als guter Kompromiss: mehr Renditechance bei nur 20% Risiko
Nachteile:
  • 100%-Garantie kostet deutlich mehr Rendite
  • Garantiekosten schmälern langfristigen Vermögensaufbau

Für wen? Für sicherheitsorientierte Anleger – die 80%-Variante ist hier der beste Kompromiss

Die staatliche Förderung im Detail

Die Förderung wurde im März 2026 nochmals deutlich verbessert! Sie ist beitragsproportional – je mehr du einzahlst (bis 1.800€), desto mehr Zulagen bekommst du. Anders als bei Riester gibt es keinen komplexen Mindesteigenbeitrag mehr.

Grundzulage nach Einzahlung (NEU März 2026)
EinzahlungFördersatzMax. Zulage
Bis 360€50 Cent pro Euro180€
361€ - 1.800€25 Cent pro Euro360€

Maximale Grundzulage: 540€ pro Jahr bei 1.800€ Einzahlung

Diese stark verbesserte Förderung gilt ab Start 2027

Kinderzulage (massiv verbessert!)

Für jedes kindergeldberechtigte Kind erhält ein Elternteil 100% Kinderzulage auf den Eigenbeitrag – maximal 300€ pro Kind und Jahr. Die volle Kinderzulage wird bereits ab 25€/Monat (300€/Jahr) Eigenbeitrag erreicht!

Beispiel: Bei 360€ Einzahlung und 1 Kind: 180€ Grundzulage + 300€ Kinderzulage = 480€ Förderung auf nur 360€ Eigenbeitrag = 133% Förderquote!
Berufseinsteigerbonus

Wer vor dem 25. Geburtstag einen Altersvorsorgevertrag abschließt, erhält einmalig 200€ Bonus.

+200€ Einmalbonus

Geringverdiener-Bonus (NEU!)

Wer unter 26.250€ brutto im Jahr verdient und mindestens 120€ ins Altersvorsorgedepot einzahlt, bekommt zusätzlich 175€ jährlich vom Staat. Dieser Bonus kommt zur regulären Grundzulage hinzu!

Bedingung: Bruttoeinkommen unter 26.250€/Jahr + mind. 120€ Eigenbeitrag

+175€

jährlich zusätzlich

Mindestbeitrag

Um förderberechtigt zu sein, musst du mindestens 120€ pro Jahr (10€/Monat) einzahlen.

Maximale Einzahlungen

Der Gesetzgeber hat einen absoluten Maximalbetrag von 6.840€ pro Jahr und Vertrag festgelegt. Davon werden allerdings nur 1.800€ staatlich gefördert.

Bis zu zwei Verträge möglich!

Du darfst bis zu zwei Altersvorsorgedepots gleichzeitig führen. In jeden kannst du maximal 6.840€ pro Jahr einzahlen – insgesamt also bis zu 13.680€ pro Jahr. Die staatliche Förderung gibt es aber nur einmal auf insgesamt maximal 1.800€ Eigenbeitrag.

Förderquoten nach Lebenssituation (NEU berechnet)

Die verbesserte Förderung macht das Altersvorsorgedepot besonders für Geringverdiener und Familien extrem attraktiv:

PersonSituationEinzahlungZulagenIm DepotFörderquote
AlbertAlleinerziehend, 2 Kinder360€+180€ / +600€1.140€217%
AmieAngestellt, 1 Kind600€+240€ / +300€1.140€90%
JohannesGutverdiener, keine Kinder1.800€+540€ / +0€2.340€30%
SandraSelbständige Grafikerin1.800€+540€ / +0€2.340€30%
LisaGeringverdiener (20.000€/Jahr), 2 Kinder300€+150€ / +600€1.225€308%

Die Förderquote berechnet sich als: Zulagen / Eigenbeitrag × 100. Durch die verbesserte 50%-Förderung auf die ersten 360€, die 100%-Kinderzulage und den Geringverdiener-Bonus (175€ bei Einkommen unter 26.250€) sind Förderquoten über 300% möglich!

Wer ist förderberechtigt? (NEU: Auch Selbständige!)

Eine der wichtigsten Neuerungen: Auch Selbständige sind jetzt förderberechtigt! Die Förderberechtigung wurde massiv ausgeweitet:

Förderberechtigt
  • NEU: Alle Selbständigen – unabhängig von Pflichtversicherung!
  • Arbeitnehmer und Auszubildende in versicherungspflichtiger Beschäftigung
  • Freiberufler und Gewerbetreibende
  • Pflichtversicherte in der gesetzlichen Rentenversicherung
  • Pflegende Angehörige (mind. Pflegegrad 2, mind. 10 Std./Woche)
  • Eltern während der Kindererziehungszeit (3 Jahre)
  • Bezieher von Arbeitslosengeld, Krankengeld, Übergangsgeld
  • Minijobber (auch die von der Versicherungspflicht befreiten!)
  • Beamte, Richter, Berufssoldaten
  • Künstler und Publizisten nach dem KSVG
  • Freiwillig Versicherte in der GRV
Nicht förderberechtigt
  • Vollrentner wegen Alters
  • Personen ohne Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt in Deutschland

Ehepartner: Ehepartner von unmittelbar Förderberechtigten können mittelbar förderberechtigt sein (eigener Mindestbeitrag 120€/Jahr erforderlich, max. 175€ Zulage).

🧒 Frühstart-Rente: Altersvorsorge für Kinder ab 6 Jahren

Parallel zum Altersvorsorgedepot plant die Bundesregierung die Frühstart-Rente – eine staatlich finanzierte Altersvorsorge für Kinder und Jugendliche. Der Staat zahlt für jedes Kind ab dem sechsten Lebensjahr 10€ monatlich (120€ pro Jahr) in ein individuelles Altersvorsorgedepot ein – komplett unabhängig vom Einkommen der Eltern.

Stufenweise Einführung

2026

Kinder des Geburtsjahrgangs 2020 (die in diesem Jahr sechs werden) – rückwirkend zum 1. Januar 2026

2027

Jahrgang 2021

2028

Jahrgang 2022

Ab 2029

Zusätzlich ältere Jahrgänge nachträglich, bis alle Kinder zwischen 6 und 18 Jahren einbezogen sind

So funktioniert das Depot für Kinder

Eltern oder Erziehungsberechtigte eröffnen ein förderfähiges Altersvorsorgedepot bei einem Anbieter ihrer Wahl. Das Geld wird in breit gestreute ETFs oder Fonds investiert.

Zuzahlung: Eltern, Großeltern oder andere Dritte können eigene Beiträge einzahlen und das Depot aufstocken.

Auffanglösung: Für Kinder, deren Eltern kein eigenes Depot eröffnen, gibt es eine Auffanglösung über die Bundesbank. Die staatlichen Beiträge werden dort automatisch angelegt. Eltern können jederzeit nachträglich ein eigenes Depot eröffnen – das Guthaben wird dann übertragen.

Was mit dem Depot nach dem 18. Geburtstag passiert

Mit der Volljährigkeit endet die staatliche Förderung über die Frühstart-Rente. Das Depot bleibt aber bestehen und kann durch eigene Einzahlungen als reguläres Altersvorsorgedepot weiter bespart werden – mit allen Zulagen und Steuervorteilen.

Was aus 10€ monatlich werden kann

Auf den ersten Blick wirken 10€ monatlich wenig. Aber der Zinseszinseffekt hat 12 Jahre Zeit bis zum 18. Geburtstag – und danach arbeitet das Geld weitere Jahrzehnte bis zur Rente:

AlterStaatl. EinzahlungDepotwert (6% p.a.)
Mit 18 (nach 12 Jahren Förderung)1.440€ca. 2.100€
Mit 30 (ohne weitere Einzahlung)1.440€ca. 4.200€
Mit 45 (ohne weitere Einzahlung)1.440€ca. 10.100€
Mit 67 (Renteneintritt)1.440€ca. 28.800€

Aus 1.440€ staatlicher Förderung werden bei 6% durchschnittlicher Rendite bis zum Renteneintritt mit 67 rund 28.800€ – ohne einen einzigen Euro Eigenbeitrag. Stocken die Eltern mit weiteren 10€ monatlich auf, verdoppeln sich die Beträge entsprechend.

Die Frühstart-Rente wird in einem eigenen Gesetz geregelt, das im Laufe des Jahres 2026 verabschiedet werden soll. Die Details können sich noch ändern.

Kosten: Gedeckelt auf maximal 1%

Die Kosten für das Altersvorsorgedepot sind gesetzlich gedeckelt – das ist ein Fortschritt gegenüber Riester. Aber die Deckelung ist aus meiner Sicht noch zu hoch angesetzt.

Gesetzliche Kostendeckelung (Standarddepot)

Für das Standarddepot gilt eine Obergrenze von maximal 1% Effektivkosten pro Jahr. Das beinhaltet alle Kosten: Fondskosten (TER), Verwaltungskosten des Anbieters und eventuelle Vertriebskosten.

Für die anderen Varianten (klassisches Altersvorsorgedepot, Garantieprodukt) gibt es keine solche Deckelung – hier können die Kosten höher ausfallen!

Meine kritische Einschätzung

1% Effektivkosten sind eine Verbesserung gegenüber teuren Riester-Produkten – aber immer noch deutlich teurer als ein selbst verwaltetes ETF-Depot.

VarianteKosten p.a.Bei 10.000€Bewertung
Altersvorsorgedepot (Standarddepot)max. 1,0% p.a.100€/JahrBesser als Riester, aber noch teuer
Günstiges ETF-Depot beim Neobroker0,1-0,3% p.a.10-30€/JahrWas ETF-Anlage kosten sollte
Meine Empfehlung für AV-Depotmax. 0,8% p.a.80€/JahrAngemessene Obergrenze

Die neue Deckelung auf 1% ist ein Fortschritt gegenüber Riester mit 2-3% Kosten. Trotzdem: Ein selbstverwaltetes ETF-Depot kostet nur 0,1-0,3%. Achte bei der Anbieterwahl genau auf die tatsächlichen Kosten – günstigere Anbieter werden kommen!

Was 1% Unterschied über 30 Jahre ausmacht

Bei 1.800€/Jahr Einzahlung über 30 Jahre mit 7% Rendite vor Kosten: Der Unterschied zwischen 0,5% und 1,5% Kosten beträgt am Ende über 20.000€ weniger Vermögen.

Vergleiche vor Vertragsabschluss die Effektivkosten verschiedener Anbieter. Günstigere Anbieter werden kommen – warte lieber auf bessere Angebote, wenn 2027 noch keine günstigen Produkte verfügbar sind.

Steuerliche Behandlung

Das Altersvorsorgedepot folgt dem Prinzip der nachgelagerten Besteuerung: Einzahlungen und Erträge sind in der Ansparphase steuerfrei, Auszahlungen werden später voll versteuert.

Die Günstigerprüfung
Das Finanzamt prüft automatisch, ob du von der Zulage oder dem Sonderausgabenabzug mehr profitierst:

Zulage > Steuerersparnis

Du bekommst nur die Zulagen (typisch bei niedrigem Einkommen)

Steuerersparnis > Zulage

Du bekommst die Zulagen PLUS die Differenz als Steuervorteil

Beispiel: Johannes zahlt 1.800€ ein, bekommt 480€ Zulage. Bei ca. 33% Grenzsteuersatz wäre die Steuerersparnis ca. 750€ (auf 2.280€ inkl. Zulage, genau: 2.280€ × 33% = 752€). Er erhält: 480€ Zulage + ca. 270€ zusätzlicher Steuervorteil = ca. 750€ Gesamtförderung.

Keine Besteuerung in der Ansparphase

Kapitalerträge und Wertsteigerungen werden nicht besteuert – keine Vorabpauschale, keine Abgeltungssteuer beim Umschichten.

Sonderausgabenabzug

Eigenbeiträge plus Zulageanspruch können als Sonderausgaben geltend gemacht werden (max. 2.280€ ohne Kinderzulage).

Günstigerprüfung

Das Finanzamt wählt automatisch die für dich bessere Variante (Zulage oder Steuerersparnis).

Besteuerung in der Auszahlphase

Die Auszahlungen werden als 'sonstige Einkünfte' voll mit deinem persönlichen Steuersatz versteuert (§22 Nr. 5 EStG). Im Ruhestand ist der Steuersatz meist niedriger als im Erwerbsleben.

Altersvorsorgedepot vs. Privates Depot

Beide Wege haben ihre Berechtigung – aber sie funktionieren grundlegend unterschiedlich:

KriteriumAltersvorsorgedepotPrivates Depot
KonstruktionVertrag mit einem Anbieter, Geld wird vom Anbieter angelegtEigenes Depot, volle Kontrolle über Investments
Staatliche FörderungZulagen + Steuervorteile (30-217%!)Keine
AnlageentscheidungenEingeschränkt: Auswahl aus Anbieter-OptionenVöllig frei: Jeder ETF, jede Aktie
FlexibilitätEingeschränkt (Auszahlung ab Renteneintritt)Volle Flexibilität jederzeit
Notfall-ZugriffMöglich, aber Förderung muss zurückgezahlt werdenJederzeit ohne Nachteile
Besteuerung AnsparphaseKeine Vorabpauschale, steuerfreies UmschichtenVorabpauschale + Steuern bei Verkauf
Besteuerung AuszahlungVolle Einkommensteuer (nachgelagert)25% Abgeltungssteuer nur auf Gewinne
KostenStandarddepot: max. 1% EffektivkostenETF-Depot ab 0,2% TER möglich
AnbieterwechselNach 5 Jahren kostenfrei, vorher Gebühren möglichDepotübertrag meist kostenlos
VererbbarkeitErben können Guthaben in eigenen Vertrag übertragen (dann keine Rückzahlung)Volle Vererbbarkeit ohne Einschränkung

Das Altersvorsorgedepot bietet attraktive Förderung, aber weniger Kontrolle und Flexibilität. Es ist ein Baustein der Altersvorsorge – nicht die komplette Lösung.

Altersvorsorgedepot vs. Riester-Rente: Der direkte Vergleich

Die Reform bringt massive Verbesserungen gegenüber dem alten Riester-System:

KriteriumRiester (alt)Altersvorsorgedepot (neu)
Beitragsgarantie100% verpflichtendKeine (optional 80% oder 100%)
Typische Kosten2-3% pro Jahr0,1-1% pro Jahr
AktienquoteMeist unter 30%Bis zu 100%
GrundzulageFix 175€/JahrBis zu 540€/Jahr (50 Cent/€)
Volle Kinderzulage ab60€/Jahr Eigenbeitrag25€/Monat Eigenbeitrag
SelbständigeNicht förderberechtigtVoll förderberechtigt
Steuern in der AnsparphaseProduktabhängigKomplett steuerfrei
UmschichtungenEingeschränkt, ggf. steuerpflichtigBeliebig oft, steuerfrei
AuszahlungMind. 70% müssen verrentet werdenFrei wählbar (Auszahlplan oder Rente)
AnbieterwechselMöglich, oft mit hohen KostenNach 5 Jahren kostenfrei
Was der Wechsel von Riester zum AVD konkret spart

Bei 25.000€ Riester-Guthaben und 20 Jahren Restlaufzeit: Die Kosten sinken typischerweise von 1,5-2,5% auf 0,1-0,2%. Das spart rund 15.000€ an Gebühren bis zur Rente.

Riester-Kosten

2% p.a. = ca. 500€/Jahr

AVD-Kosten

0,2% p.a. = ca. 50€/Jahr

Ersparnis

ca. 15.000€ über 20 Jahre (inkl. Zinseszins auf gesparte Kosten)

Der Verzicht auf die Beitragsgarantie ist der Schlüssel: Er ermöglicht eine volle Aktienquote und damit historisch deutlich höhere Renditen. Die höhere Förderung, steuerfreie Umschichtungen und die flexible Auszahlung machen das neue System für die meisten Sparer deutlich attraktiver.

Meine Einschätzung: Förderung mitnehmen, aber realistisch bleiben
Das Altersvorsorgedepot ist eine deutliche Verbesserung gegenüber Riester – aber es ist kein Ersatz für ein privates Depot.

Die differenzierte Empfehlung

Nutze die Förderung – aber verstehe die Grenzen.

Die Zulagen sind jetzt deutlich attraktiver (30-217% Förderquote durch die März 2026-Verbesserungen). Aber: Du gibst Kontrolle ab, das Geld ist bis zur Rente gebunden, und 1.800€/Jahr reichen meist nicht, um die Rentenlücke zu schließen. Ein privates Depot bleibt für die meisten Menschen unverzichtbar – das AVD ist eine Ergänzung, kein Ersatz.

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Für wen sich das Altersvorsorgedepot besonders lohnt

  • Familien mit Kindern: 100% Kinderzulage (Euro für Euro) – bis zu 300€ pro Kind/Jahr zusätzlich
  • Geringverdiener: Über 200% Förderquote möglich bei Kombination mit Kinderzulagen
  • Berufseinsteiger unter 25: 200€ Einmalbonus mitnehmen
  • Selbständige: Endlich förderberechtigt! Gleiche Konditionen wie Angestellte
  • Alle, die 30-50% staatliche Förderung auf Altersvorsorge mitnehmen wollen

Die Nachteile, die du kennen solltest

  • Kein selbstverwaltetes Depot – der Anbieter legt an
  • Keine Übertragung bestehender ETFs möglich
  • Geld bis zur Rente gebunden (förderschädliche Entnahme kostet)
  • 1.800€/Jahr reichen für die meisten nicht aus
  • Kosten von max. 1% sind für ETF-Anlage immer noch teurer als ein privates Depot (0,1-0,3%)
  • Vererbung: Erben müssen Guthaben in eigenen Vertrag übertragen, sonst Zulagenrückzahlung
  • Volle Einkommensteuer im Alter kann teurer sein als 25% Abgeltungssteuer heute

Welche Produkte dürfen ins Altersvorsorgedepot?

Das Altersvorsorgedepot erlaubt nur bestimmte Anlageprodukte, die der Anbieter in seinem Produktportfolio führt. Hier ist wichtig zu verstehen: Du kaufst keine ETFs direkt – du schließt einen Vertrag ab und wählst aus dem Angebot des Anbieters.

ETFs (Börsengehandelte Indexfonds)
Meine klare Empfehlung

Passive Fonds, die einen Index wie den MSCI World oder DAX abbilden. Niedrige Kosten (0,1-0,3% TER), keine aktiven Fondsmanager.

ETFs sind die kosteneffizienteste Form der Aktienanlage. Sie folgen dem Markt und liefern die Marktrendite abzüglich minimaler Kosten.

Aktiv gemanagte Fonds
Nicht empfohlen

Fonds mit Fondsmanagern, die versuchen, durch aktive Auswahl den Markt zu schlagen. Höhere Kosten (1,5-2,5% TER + ggf. Ausgabeaufschlag).

Aktiv gemanagte Fonds sind aus meiner Sicht keine sinnvolle Option für langfristige Altersvorsorge.

Garantieprodukte
Nur bei extremer Risikoaversion

Produkte mit Garantie auf mindestens die eingezahlten Beiträge zum Rentenbeginn. Meist Mischung aus Fonds und sicheren Anlagen.

Garantien kosten Rendite. Wer 30+ Jahre Zeit hat, sollte auf Garantien verzichten. Wenn Garantie, dann die 80%-Variante – sie bietet deutlich mehr Renditechance bei nur 20% Risiko.

Euro-Anleihen
Kann sinnvolle Beimischung sein

Auf Euro lautende Anleihen (Staats- und Unternehmensanleihen) sind im Altersvorsorgedepot grundsätzlich zulässig, sofern der Anbieter diese anbietet.

Euro-Anleihen können zur Diversifikation und Risikoreduzierung beitragen, insbesondere wenn der Renteneintritt näher rückt. Die Rendite liegt aber meist unter der von Aktien-ETFs.

Warum ich von aktiv gemanagten Fonds abrate

Aktiv gemanagte Fonds versprechen, den Markt zu schlagen – aber die Realität sieht anders aus. Zahlreiche wissenschaftliche Studien belegen, dass aktive Fonds systematisch hinter der Marktrendite zurückbleiben:

Über 90% der aktiven Fonds schlagen den Index nicht

Die SPIVA-Studien von S&P zeigen Jahr für Jahr: Auf lange Sicht (10-15 Jahre) schaffen es weniger als 10% der aktiv gemanagten Fonds, ihre Benchmark zu übertreffen.

Die Kosten fressen die Rendite

Ein aktiver Fonds mit 1,8% TER muss jedes Jahr 1,5% mehr Rendite erwirtschaften als ein ETF mit 0,3% TER – nur um gleich abzuschneiden. Das schafft auf Dauer kaum ein Fondsmanager.

Vergangene Performance garantiert nichts

Selbst wenn ein Fonds in der Vergangenheit gut war: Es gibt keine zuverlässige Methode, zukünftige Gewinner-Fonds vorherzusagen. Die heutigen Top-Performer sind selten die Top-Performer von morgen.

Der Zinseszinseffekt arbeitet gegen dich

1% Mehrkosten klingen wenig, aber über 30 Jahre Ansparzeit summiert sich das auf 20-30% weniger Endvermögen.

Für die Altersvorsorge gilt: Wähle im Altersvorsorgedepot ausschließlich ETF-basierte Optionen. Die niedrigen Kosten und die garantierte Marktrendite sind für langfristiges Sparen nicht zu schlagen. Lass dich nicht von Versprechungen aktiver Fondsmanager blenden – die Statistik ist eindeutig.

Das geht NICHT im Altersvorsorgedepot
  • Einzelaktien kaufen
  • Kryptowährungen
  • Bestehende ETFs aus deinem privaten Depot übertragen
  • Völlig frei jeden beliebigen ETF kaufen – nur Auswahl aus Anbieterangebot
  • Rohstoffe direkt kaufen

Achte bei der Anbieterwahl darauf, dass günstige, breit gestreute ETFs (z.B. auf MSCI World oder FTSE All-World) angeboten werden. Finger weg von Anbietern, die nur teure aktive Fonds im Sortiment haben!

Die Auszahlphase: Zwei Optionen + 30% Sofortauszahlung

Zwischen deinem 65. und 70. Geburtstag wechselst du in die Auszahlphase. Beziehst du schon vorher eine gesetzliche Altersrente oder Beamtenpension, darfst du auch früher starten. Spätestens mit 70 muss die Auszahlung beginnen.

30% Teilkapitalisierung möglich!

Bei beiden Varianten darfst du zu Beginn einmalig bis zu 30% deines Depotwerts auf einen Schlag entnehmen. Bei 300.000€ wären das z.B. 90.000€ sofort.

Auszahlungsplan bis mindestens 85 Jahre
Dein Kapital wird auf die Zeit bis 85 verteilt und monatlich ausgezahlt. Das verbleibende Kapital kann weiter investiert bleiben.
Vorteile:
  • Höhere monatliche Beträge als bei Verrentung
  • Noch nicht ausgezahltes Vermögen ist vererbbar
  • Kein Versicherungsmantel nötig
Nachteile:
  • Ab 85 ist das Kapital aufgebraucht
  • Langlebigkeitsrisiko (aber: privates Depot als Backup)
Lebenslange Leibrente
Übertragung des Kapitals an eine Versicherung gegen lebenslange monatliche Zahlungen.
Vorteile:
  • Kein Langlebigkeitsrisiko
  • Planbare Einnahmen bis zum Lebensende
Nachteile:
  • Geringere monatliche Beträge
  • Bei frühem Tod ist Kapital oft verloren
  • Keine Vererbung möglich (außer bei Rentengarantiezeit)

Rentengarantiezeit

Bei Leibrenten kann optional eine 10- oder 20-jährige Rentengarantiezeit vereinbart werden: Stirbst du in dieser Zeit, erhalten Hinterbliebene die Rente bis zum Ende der Garantiezeit.

Rechenbeispiel: Was bekommst du im Ruhestand?

Sven und Lena haben beide 300.000€ im Depot. Beide entnehmen 30% (90.000€) sofort als Einmalzahlung. Die verbleibenden 210.000€ werden unterschiedlich ausgezahlt:

PersonVarianteMonatl. ZahlungLaufzeitBreak-even
SvenAuszahlplan bis 85ca. 1.250€18 Jahre (67-85)
Lena (Rentenfaktor 35)Leibrenteca. 735€lebenslang97 Jahre
Lena (Rentenfaktor 30)Leibrenteca. 630€lebenslang94 Jahre
Lena (Rentenfaktor 25)Leibrenteca. 525€lebenslang95 Jahre

Sven bekommt monatlich fast doppelt so viel wie Lena. Dafür enden seine Zahlungen mit 85. Lena müsste je nach Rentenfaktor 94 bis 97 Jahre alt werden, damit ihre kumulierten Auszahlungen Svens übersteigen.

Eintritt in Auszahlphase mit 67, Depotguthaben 300.000€, 30% Teilkapitalisierung, 3% Rendite p.a. in der Auszahlphase beim Auszahlplan. Ohne Berücksichtigung von Inflation und Steuern.

Abfindung bei geringem Guthaben (Kleinbetragsrente)

Liegt deine berechnete monatliche Rente unter ca. 59€ (1,5% der Bezugsgröße), kannst du dir dein gesamtes Guthaben als Einmalzahlung auszahlen lassen.

Faustregel: Bei einem Rentenfaktor von 30 greift diese Regelung bei einem Guthaben von maximal rund 20.000€.

Meine Empfehlung

Für die meisten empfehle ich den Auszahlungsplan bis 85. Das Langlebigkeitsrisiko kannst du mit deinem privaten Depot abdecken – das ist flexibler und du behältst die Kontrolle.

Für Riester-Sparer: Wechseln oder bleiben?

Bestehende Riester-Verträge genießen Bestandsschutz. Du hast mehrere Optionen:

Weiter wie bisher

Du behältst deinen Riester-Vertrag mit der bisherigen Förderung. Keine Änderung nötig.

Nur Förderung wechseln

Du behältst deinen Vertrag, wechselst aber in die neue Fördersystematik (beitragsproportionale Zulagen). Erklärung an Anbieter genügt.

Komplett wechseln

Du überträgst dein Riester-Kapital in ein neues Altersvorsorgedepot mit neuen Konditionen und neuer Förderung. Dabei können Wechselkosten anfallen.

Wechselkosten

Nach 5 Jahren Vertragslaufzeit: Kostenfrei. Vorher: Bis zu 150€ Wechselgebühr möglich.

Wichtig

Ein Wechsel zurück zur alten Förderung ist nicht möglich. Prüfe vorher genau, ob sich der Wechsel für deine Situation lohnt.

Wichtige Einschränkungen

Das Altersvorsorgedepot hat klare Grenzen:

Anlageuniversum

Nur vom Anbieter angebotene Fonds/ETFs. Keine Einzelaktien, kein Krypto, keine eigenen ETF-Käufe.

Du gibst die Kontrolle ab

Keine ETF-Übertragung

Du kannst keine bestehenden ETFs aus einem privaten Depot übertragen – nur Geld einzahlen.

Wichtige Einschränkung für bestehende Anleger

Förderschädliche Entnahme

Entnahme vor Renteneintritt führt zur Rückzahlung aller Zulagen und Steuervorteile.

Flexibilität stark eingeschränkt

Vererbung

Erben können das Guthaben in einen eigenen Altersvorsorgevertrag übertragen – dann bleibt die Förderung erhalten. Bei Barauszahlung werden die Zulagen zurückgefordert.

Bei Übertragung in eigenen Vertrag keine Nachteile

Kosten

Standarddepot max. 1% Effektivkosten – das ist immer noch 3-10x teurer als ein günstiges ETF-Depot beim Neobroker (0,1-0,3%). Andere Varianten können sogar noch teurer sein.

1% ist für ETF-Anlage noch teuer, aber besser als Riester

Fazit: Ein Baustein, nicht die Lösung
Das Altersvorsorgedepot ist seit März 2026 deutlich attraktiver – mit 50% Grundförderung, 100% Kinderzulage, 175€ Geringverdiener-Bonus und max. 1% Kosten. Auch Selbständige sind jetzt förderberechtigt. Trotzdem: Es bleibt ein Baustein, kein Ersatz für eigenverantwortliches Sparen.
Verstehe den Unterschied: Es ist ein VERTRAG, kein selbstverwaltetes Depot
Nutze die verbesserte Förderung: Bis zu 540€ Grundzulage + 300€ pro Kind + 175€ Geringverdiener-Bonus
Auch für Selbständige: Gleiche Förderung wie Angestellte
Frühstart-Rente: 10€/Monat vom Staat für Kinder ab 6 Jahren
Zwei Verträge möglich: Bis zu 13.680€/Jahr einzahlbar (Förderung nur auf 1.800€)
30% Teilkapitalisierung: Einmalentnahme bei Rentenbeginn möglich
Kenne die Grenzen: Keine ETF-Übertragung, eingeschränkte Flexibilität, Bindung bis zur Rente
Kombiniere beide Wege: AV-Depot für die Förderung, privates Depot für Flexibilität und Kontrolle

Die beste Altersvorsorge kombiniert staatliche Förderung mit eigenverantwortlichem Sparen. Das Altersvorsorgedepot kann ein sinnvoller Baustein sein – aber dein privates Depot bleibt dein Sicherheitsnetz und gibt dir die Kontrolle über dein Geld.

Häufige Fragen (FAQ)

Offizielle Quellen

Stand: 10. April 2026 – Mit den Verbesserungen vom 24.03.2026: 50% Grundförderung, 100% Kinderzulage (Euro für Euro), 175€ Geringverdiener-Bonus, max. 1% Kosten, Selbständige förderberechtigt, Frühstart-Rente für Kinder ab 6 Jahren. Basierend auf den offiziellen FAQ des BMF und Finanzen.net.

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Wichtiger Hinweis

Die auf dieser Website bereitgestellten Informationen, Artikel und Berechnungen dienen ausschließlich der allgemeinen Information und Bildung. Sie stellen keine Anlageberatung, Anlageempfehlung, Steuerberatung oder Rechtsberatung im Sinne des § 34f bzw. § 34h GewO dar und ersetzen diese nicht. Die dargestellten Berechnungen basieren auf vereinfachten Annahmen und historischen Durchschnittswerten. Vergangene Wertentwicklungen sind kein verlässlicher Indikator für zukünftige Ergebnisse. Die Nutzung erfolgt auf eigene Verantwortung. Alle Angaben ohne Gewähr.

Altersvorsorgedepot FAQ

Was ist das Altersvorsorgedepot?

Das Altersvorsorgedepot ist die Weiterentwicklung der Riester-Rente ab 2027. Du kannst bei Banken, Neobrokern oder Fondsgesellschaften ein staatlich gefördertes Depot eröffnen und mit ETFs für deine Rente sparen.

Wie hoch ist die Förderung?

Für die ersten 1.200€ Einzahlung erhältst du 30% Zulage (max. 360€), für weitere 600€ nochmal 20% (max. 120€). Maximale Grundzulage: 480€ pro Jahr. Plus bis zu 300€ Kinderzulage pro Kind.

Wann kommt das Altersvorsorgedepot?

Das Altersvorsorgedepot soll ab dem 1. Januar 2027 verfügbar sein. Die Reform wird 2026 beschlossen.

Altersvorsorgedepot vs. Privates Depot

Das Altersvorsorgedepot bietet staatliche Förderung und Steuervorteile in der Ansparphase. Das private Depot bietet volle Flexibilität und günstigere Besteuerung bei Entnahme. Empfehlung: Beide kombinieren.

Förderquoten Beispiele

Alleinerziehend mit 2 Kindern, 600€ Einzahlung: 80% Förderquote. Single ohne Kinder, 1.800€ Einzahlung: 27% Förderquote.

Wichtige Einschränkungen

Nur Fonds Risikoklasse 1-5, keine Einzelaktien oder Krypto. Förderschädliche Entnahme vor 65: Rückzahlung aller Zulagen. Maximalbeitrag: 1.800€/Jahr.