Altersvorsorgedepot: Die Reform ab 2027

Die Reform der privaten Altersvorsorge bringt ein neues Altersvorsorgedepot mit staatlicher Förderung. Wichtig: Es ist ein VERTRAG mit einem Anbieter – kein klassisches Depot wie bei Neobrokern. Hier erfährst du alle Details.

Wichtig zu verstehen

Das Altersvorsorgedepot ist KEIN normales Depot, das du selbst verwaltest. Es ist ein zertifizierter Vertrag mit einem Anbieter (Bank, Versicherung), der dein Geld anlegt. Du kannst keine bestehenden ETFs aus einem privaten Depot übertragen – du zahlst nur Geld ein, das dann vom Anbieter investiert wird.

  • Vertrag mit einem Anbieter (Bank, Versicherung)
  • Anbieter legt das Geld nach Vertragsbedingungen an
  • Keine Übertragung eigener ETFs möglich
  • Max. 1.800€/Jahr gefördert (6.840€ max. Einzahlung)
  • Zertifizierung durch Bundeszentralamt für Steuern erforderlich

Start

1. Januar 2027

Max. Förderung

1.800€ pro Jahr

Max. Grundzulage

480€ pro Jahr

Kinderzulage

bis 300€ pro Kind

Was ist das Altersvorsorgedepot?

Das Altersvorsorgedepot ist ein zertifizierter Altersvorsorgevertrag, den du bei einem Anbieter (Bank, Versicherung, Fondsgesellschaft) abschließt. Anders als ein privates Depot bei einem Neobroker wird das Geld vom Anbieter angelegt – du wählst aus vorgegebenen Optionen. Dafür erhältst du staatliche Zulagen und Steuervorteile.

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Wichtig: Die nachgelagerte Besteuerung kann die Fördervorteile komplett auffressen – besonders wenn du im Alter noch andere Einkünfte hast (Rente, Pension, Mieteinnahmen).

Probiere unbedingt den fortgeschrittenen Modus aus und gib deine erwarteten Einkünfte im Alter an, um ein realistisches Bild zu bekommen.

Zum Rechner

Die drei Produktarten

Nach der Reform gibt es drei verschiedene Produkttypen:

Altersvorsorgedepot (ohne Garantie)
Chancen- und renditeorientierte Anlage in Fonds/ETFs. Der Anbieter legt das Geld nach einer Positivliste zulässiger Vermögensgegenstände an.
Vorteile:
  • Höhere Renditechancen
  • Keine Garantiekosten
Nachteile:
  • Kein Kapitalschutz
  • Wertschwankungen möglich

Für wen? Für alle mit langem Anlagehorizont und Risikotoleranz

Standarddepot (vereinfachte Variante)
Ein besonders einfaches Altersvorsorgedepot mit gesetzlich festgelegten Standardeinstellungen. Der Anbieter wählt zwei Fonds vor: einen vorsichtigen und einen chancenreicheren. Vor Renteneintritt wird automatisch in den sichereren Fonds umgeschichtet.
Vorteile:
  • Keine eigenen Anlageentscheidungen nötig
  • Max. 1,5% Effektivkosten
  • Einfacher Online-Abschluss möglich
Nachteile:
  • Weniger Auswahl
  • Automatische Umschichtung kann Rendite kosten

Für wen? Für alle ohne Kapitalmarkterfahrung, die sich nicht selbst entscheiden wollen

Garantieprodukt (mit Kapitalerhalt)
Verträge mit 100% oder 80% Garantie auf eingezahlte Beiträge. Der Anbieter garantiert, dass zu Rentenbeginn mindestens 80% oder 100% der Einzahlungen zur Verfügung stehen.
Vorteile:
  • Planungssicherheit
  • Schutz vor Verlusten
  • 80%-Variante als guter Kompromiss: mehr Renditechance bei nur 20% Risiko
Nachteile:
  • 100%-Garantie kostet deutlich mehr Rendite
  • Garantiekosten schmälern langfristigen Vermögensaufbau

Für wen? Für sicherheitsorientierte Anleger – die 80%-Variante ist hier der beste Kompromiss

Die staatliche Förderung im Detail

Die Förderung ist beitragsproportional – je mehr du einzahlst (bis 1.800€), desto mehr Zulagen bekommst du. Anders als bei Riester gibt es keinen komplexen Mindesteigenbeitrag mehr.

Grundzulage nach Einzahlung
EinzahlungFördersatzMax. Zulage
Bis 1.200€30 Cent pro Euro (ab 2029: 35 Cent)360€ (ab 2029: 420€)
1.201€ - 1.800€20 Cent pro Euro120€

Maximale Grundzulage: 480€ pro Jahr bei 1.800€ Einzahlung (ab 2029: 540€)

Ab 2029 steigt die Förderung auf 35 Cent für die ersten 1.200€

Kinderzulage

Für jedes kindergeldberechtigte Kind erhält ein Elternteil zusätzlich 25 Cent pro eingezahltem Euro – maximal 300€ pro Kind und Jahr (bei 1.200€ Eigenbeitrag erreicht).

Beispiel: Bei 1.200€ Einzahlung und 1 Kind: 360€ Grundzulage + 300€ Kinderzulage = 660€ Förderung
Berufseinsteigerbonus

Wer vor dem 25. Geburtstag einen Altersvorsorgevertrag abschließt, erhält einmalig 200€ Bonus.

+200€ Einmalbonus

Mindestbeitrag

Um förderberechtigt zu sein, musst du mindestens 120€ pro Jahr (10€/Monat) einzahlen.

Maximale Einzahlungen

Gefördert werden maximal 1.800€/Jahr. Du kannst insgesamt bis zu 6.840€/Jahr einzahlen, aber nur 1.800€ werden staatlich gefördert.

Förderquoten nach Lebenssituation

Je nach Einzahlung und Kinderzahl variiert die Förderquote erheblich:

PersonSituationEinzahlungZulagenIm DepotFörderquote
AlbertAlleinerziehend, 2 Kinder600€+180€ / +300€1.080€80%
AmieAngestellt, 1 Kind1.200€+360€ / +300€1.860€55%
JohannesGutverdiener, keine Kinder1.800€+480€ / +0€2.280€27%

Die Förderquote berechnet sich als: Zulagen / Eigenbeitrag × 100. Je weniger du selbst einzahlst und je mehr Kinder du hast, desto höher ist deine prozentuale Förderung.

Wer ist förderberechtigt?

Die Förderberechtigung entspricht weitgehend der bisherigen Riester-Regelung:

Förderberechtigt
  • Arbeitnehmer und Auszubildende in versicherungspflichtiger Beschäftigung
  • Pflichtversicherte Selbstständige in der gesetzlichen Rentenversicherung
  • Pflegende Angehörige (mind. Pflegegrad 2, mind. 10 Std./Woche)
  • Eltern während der Kindererziehungszeit (3 Jahre)
  • Bezieher von Arbeitslosengeld, Krankengeld, Übergangsgeld
  • Minijobber (die NICHT von der Versicherungspflicht befreit sind)
  • Beamte, Richter, Berufssoldaten
  • Künstler und Publizisten nach dem KSVG
Nicht förderberechtigt
  • Freiwillig Versicherte in der gesetzlichen Rentenversicherung
  • Selbstständige ohne Pflichtversicherung
  • Minijobber, die sich von der Versicherungspflicht befreit haben
  • Vollrentner wegen Alters

Ehepartner: Ehepartner von unmittelbar Förderberechtigten können mittelbar förderberechtigt sein (eigener Mindestbeitrag 120€/Jahr erforderlich, max. 175€ Zulage).

Kosten: Gedeckelt, aber zu hoch

Die Kosten für das Altersvorsorgedepot sind gesetzlich gedeckelt – das ist ein Fortschritt gegenüber Riester. Aber die Deckelung ist aus meiner Sicht noch zu hoch angesetzt.

Gesetzliche Kostendeckelung (Standarddepot)

Für das Standarddepot (die vereinfachte Variante) gilt eine Obergrenze von 1,5% Effektivkosten pro Jahr. Das beinhaltet alle Kosten: Fondskosten (TER), Verwaltungskosten des Anbieters und eventuelle Vertriebskosten.

Für die anderen Varianten (klassisches Altersvorsorgedepot, Garantieprodukt) gibt es keine solche Deckelung – hier können die Kosten höher ausfallen!

Meine kritische Einschätzung

1,5% Effektivkosten klingen nach einer Verbesserung – sind aber immer noch viel zu teuer, wenn das Geld einfach nur in ETFs angelegt wird.

VarianteKosten p.a.Bei 10.000€Bewertung
Altersvorsorgedepot (Standarddepot)max. 1,5% p.a.150€/JahrZu teuer für ETF-Anlage
Günstiges ETF-Depot beim Neobroker0,1-0,3% p.a.10-30€/JahrWas ETF-Anlage kosten sollte
Meine Empfehlung für AV-Depotmax. 0,8% p.a.80€/JahrAngemessene Obergrenze

Aus meiner Sicht sollten die Kosten bei einem Produkt, das hauptsächlich in ETFs investiert, nicht mehr als 0,8% betragen. 1,5% ist ein Anfang – aber noch keine verbraucherfreundliche Lösung. Achte bei der Anbieterwahl genau auf die tatsächlichen Kosten!

Was 1% Unterschied über 30 Jahre ausmacht

Bei 1.800€/Jahr Einzahlung über 30 Jahre mit 7% Rendite vor Kosten: Der Unterschied zwischen 0,5% und 1,5% Kosten beträgt am Ende über 20.000€ weniger Vermögen.

Vergleiche vor Vertragsabschluss die Effektivkosten verschiedener Anbieter. Günstigere Anbieter werden kommen – warte lieber auf bessere Angebote, wenn 2027 noch keine günstigen Produkte verfügbar sind.

Steuerliche Behandlung

Das Altersvorsorgedepot folgt dem Prinzip der nachgelagerten Besteuerung: Einzahlungen und Erträge sind in der Ansparphase steuerfrei, Auszahlungen werden später voll versteuert.

Die Günstigerprüfung
Das Finanzamt prüft automatisch, ob du von der Zulage oder dem Sonderausgabenabzug mehr profitierst:

Zulage > Steuerersparnis

Du bekommst nur die Zulagen (typisch bei niedrigem Einkommen)

Steuerersparnis > Zulage

Du bekommst die Zulagen PLUS die Differenz als Steuervorteil

Beispiel: Johannes zahlt 1.800€ ein, bekommt 480€ Zulage. Bei 33% Grenzsteuersatz wäre die Steuerersparnis 760€ (auf 2.280€ inkl. Zulage). Er erhält also: 480€ Zulage + 280€ zusätzlicher Steuervorteil = 760€ Gesamtförderung.

Keine Besteuerung in der Ansparphase

Kapitalerträge und Wertsteigerungen werden nicht besteuert – keine Vorabpauschale, keine Abgeltungssteuer beim Umschichten.

Sonderausgabenabzug

Eigenbeiträge plus Zulageanspruch können als Sonderausgaben geltend gemacht werden (max. 2.280€ ohne Kinderzulage).

Günstigerprüfung

Das Finanzamt wählt automatisch die für dich bessere Variante (Zulage oder Steuerersparnis).

Besteuerung in der Auszahlphase

Die Auszahlungen werden als 'sonstige Einkünfte' voll mit deinem persönlichen Steuersatz versteuert (§22 Nr. 5 EStG). Im Ruhestand ist der Steuersatz meist niedriger als im Erwerbsleben.

Altersvorsorgedepot vs. Privates Depot

Beide Wege haben ihre Berechtigung – aber sie funktionieren grundlegend unterschiedlich:

KriteriumAltersvorsorgedepotPrivates Depot
KonstruktionVertrag mit einem Anbieter, Geld wird vom Anbieter angelegtEigenes Depot, volle Kontrolle über Investments
Staatliche FörderungZulagen + Steuervorteile (27-80%)Keine
AnlageentscheidungenEingeschränkt: Auswahl aus Anbieter-OptionenVöllig frei: Jeder ETF, jede Aktie
FlexibilitätEingeschränkt (Auszahlung ab Renteneintritt)Volle Flexibilität jederzeit
Notfall-ZugriffMöglich, aber Förderung muss zurückgezahlt werdenJederzeit ohne Nachteile
Besteuerung AnsparphaseKeine Vorabpauschale, steuerfreies UmschichtenVorabpauschale + Steuern bei Verkauf
Besteuerung AuszahlungVolle Einkommensteuer (nachgelagert)25% Abgeltungssteuer nur auf Gewinne
KostenStandarddepot: max. 1,5% EffektivkostenETF-Depot ab 0,2% TER möglich
AnbieterwechselNach 5 Jahren kostenfrei, vorher Gebühren möglichDepotübertrag meist kostenlos
VererbbarkeitNur an Ehepartner ohne FörderrückzahlungVolle Vererbbarkeit

Das Altersvorsorgedepot bietet attraktive Förderung, aber weniger Kontrolle und Flexibilität. Es ist ein Baustein der Altersvorsorge – nicht die komplette Lösung.

Meine Einschätzung: Förderung mitnehmen, aber realistisch bleiben
Das Altersvorsorgedepot ist eine deutliche Verbesserung gegenüber Riester – aber es ist kein Ersatz für ein privates Depot.

Die differenzierte Empfehlung

Nutze die Förderung – aber verstehe die Grenzen.

Die Zulagen sind attraktiv (27-80% Förderquote). Aber: Du gibst Kontrolle ab, das Geld ist bis zur Rente gebunden, und 1.800€/Jahr reichen meist nicht, um die Rentenlücke zu schließen. Ein privates Depot bleibt für die meisten Menschen unverzichtbar.

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Für wen sich das Altersvorsorgedepot lohnt

  • Familien mit Kindern: Kinderzulagen sind besonders attraktiv
  • Geringverdiener: Hohe Förderquote trotz kleiner Einzahlung
  • Berufseinsteiger unter 25: 200€ Einmalbonus mitnehmen
  • Alle, die die Förderung nicht verschenken wollen

Die Nachteile, die du kennen solltest

  • Kein selbstverwaltetes Depot – der Anbieter legt an
  • Keine Übertragung bestehender ETFs möglich
  • Geld bis zur Rente gebunden (förderschädliche Entnahme kostet)
  • 1.800€/Jahr reichen für die meisten nicht aus
  • Kosten von max. 1,5% sind für ETF-Anlage viel zu hoch (sollte max. 0,8% sein)
  • Vererbung nur an Ehepartner ohne Nachteile
  • Volle Einkommensteuer im Alter kann teurer sein als 25% Abgeltungssteuer heute

Welche Produkte dürfen ins Altersvorsorgedepot?

Das Altersvorsorgedepot erlaubt nur bestimmte Anlageprodukte, die der Anbieter in seinem Produktportfolio führt. Hier ist wichtig zu verstehen: Du kaufst keine ETFs direkt – du schließt einen Vertrag ab und wählst aus dem Angebot des Anbieters.

ETFs (Börsengehandelte Indexfonds)
Meine klare Empfehlung

Passive Fonds, die einen Index wie den MSCI World oder DAX abbilden. Niedrige Kosten (0,1-0,3% TER), keine aktiven Fondsmanager.

ETFs sind die kosteneffizienteste Form der Aktienanlage. Sie folgen dem Markt und liefern die Marktrendite abzüglich minimaler Kosten.

Aktiv gemanagte Fonds
Nicht empfohlen

Fonds mit Fondsmanagern, die versuchen, durch aktive Auswahl den Markt zu schlagen. Höhere Kosten (1,5-2,5% TER + ggf. Ausgabeaufschlag).

Aktiv gemanagte Fonds sind aus meiner Sicht keine sinnvolle Option für langfristige Altersvorsorge.

Garantieprodukte
Nur bei extremer Risikoaversion

Produkte mit Garantie auf mindestens die eingezahlten Beiträge zum Rentenbeginn. Meist Mischung aus Fonds und sicheren Anlagen.

Garantien kosten Rendite. Wer 30+ Jahre Zeit hat, sollte auf Garantien verzichten. Wenn Garantie, dann die 80%-Variante – sie bietet deutlich mehr Renditechance bei nur 20% Risiko.

Euro-Anleihen
Kann sinnvolle Beimischung sein

Auf Euro lautende Anleihen (Staats- und Unternehmensanleihen) sind im Altersvorsorgedepot grundsätzlich zulässig, sofern der Anbieter diese anbietet.

Euro-Anleihen können zur Diversifikation und Risikoreduzierung beitragen, insbesondere wenn der Renteneintritt näher rückt. Die Rendite liegt aber meist unter der von Aktien-ETFs.

Warum ich von aktiv gemanagten Fonds abrate

Aktiv gemanagte Fonds versprechen, den Markt zu schlagen – aber die Realität sieht anders aus. Zahlreiche wissenschaftliche Studien belegen, dass aktive Fonds systematisch hinter der Marktrendite zurückbleiben:

Über 90% der aktiven Fonds schlagen den Index nicht

Die SPIVA-Studien von S&P zeigen Jahr für Jahr: Auf lange Sicht (10-15 Jahre) schaffen es weniger als 10% der aktiv gemanagten Fonds, ihre Benchmark zu übertreffen.

Die Kosten fressen die Rendite

Ein aktiver Fonds mit 1,8% TER muss jedes Jahr 1,5% mehr Rendite erwirtschaften als ein ETF mit 0,3% TER – nur um gleich abzuschneiden. Das schafft auf Dauer kaum ein Fondsmanager.

Vergangene Performance garantiert nichts

Selbst wenn ein Fonds in der Vergangenheit gut war: Es gibt keine zuverlässige Methode, zukünftige Gewinner-Fonds vorherzusagen. Die heutigen Top-Performer sind selten die Top-Performer von morgen.

Der Zinseszinseffekt arbeitet gegen dich

1% Mehrkosten klingen wenig, aber über 30 Jahre Ansparzeit summiert sich das auf 20-30% weniger Endvermögen.

Für die Altersvorsorge gilt: Wähle im Altersvorsorgedepot ausschließlich ETF-basierte Optionen. Die niedrigen Kosten und die garantierte Marktrendite sind für langfristiges Sparen nicht zu schlagen. Lass dich nicht von Versprechungen aktiver Fondsmanager blenden – die Statistik ist eindeutig.

Das geht NICHT im Altersvorsorgedepot
  • Einzelaktien kaufen
  • Kryptowährungen
  • Bestehende ETFs aus deinem privaten Depot übertragen
  • Völlig frei jeden beliebigen ETF kaufen – nur Auswahl aus Anbieterangebot
  • Rohstoffe direkt kaufen

Achte bei der Anbieterwahl darauf, dass günstige, breit gestreute ETFs (z.B. auf MSCI World oder FTSE All-World) angeboten werden. Finger weg von Anbietern, die nur teure aktive Fonds im Sortiment haben!

Die Auszahlphase: Zwei Optionen

Zu Beginn der Auszahlphase (frühestens ab 62, spätestens ab Renteneintritt) hast du zwei Möglichkeiten:

Auszahlungsplan bis mindestens 85 Jahre
Dein Kapital wird auf die Zeit bis 85 verteilt und monatlich ausgezahlt. Das verbleibende Kapital kann weiter investiert bleiben.
Vorteile:
  • Höhere monatliche Beträge als bei Verrentung
  • Noch nicht ausgezahltes Vermögen ist vererbbar
  • Kein Versicherungsmantel nötig
Nachteile:
  • Ab 85 ist das Kapital aufgebraucht
  • Langlebigkeitsrisiko (aber: privates Depot als Backup)
Lebenslange Leibrente
Übertragung des Kapitals an eine Versicherung gegen lebenslange monatliche Zahlungen.
Vorteile:
  • Kein Langlebigkeitsrisiko
  • Planbare Einnahmen bis zum Lebensende
Nachteile:
  • Geringere monatliche Beträge
  • Bei frühem Tod ist Kapital oft verloren
  • Keine Vererbung möglich (außer bei Rentengarantiezeit)

Rentengarantiezeit

Bei Leibrenten kann optional eine 10- oder 20-jährige Rentengarantiezeit vereinbart werden: Stirbst du in dieser Zeit, erhalten Hinterbliebene die Rente bis zum Ende der Garantiezeit.

Meine Empfehlung

Für die meisten empfehle ich den Auszahlungsplan bis 85. Das Langlebigkeitsrisiko kannst du mit deinem privaten Depot abdecken – das ist flexibler und du behältst die Kontrolle.

Für Riester-Sparer: Wechseln oder bleiben?

Bestehende Riester-Verträge genießen Bestandsschutz. Du hast mehrere Optionen:

Weiter wie bisher

Du behältst deinen Riester-Vertrag mit der bisherigen Förderung. Keine Änderung nötig.

Nur Förderung wechseln

Du behältst deinen Vertrag, wechselst aber in die neue Fördersystematik (beitragsproportionale Zulagen). Erklärung an Anbieter genügt.

Komplett wechseln

Du überträgst dein Riester-Kapital in ein neues Altersvorsorgedepot mit neuen Konditionen und neuer Förderung. Dabei können Wechselkosten anfallen.

Wechselkosten

Nach 5 Jahren Vertragslaufzeit: Kostenfrei. Vorher: Bis zu 150€ Wechselgebühr möglich.

Wichtig

Ein Wechsel zurück zur alten Förderung ist nicht möglich. Prüfe vorher genau, ob sich der Wechsel für deine Situation lohnt.

Wichtige Einschränkungen

Das Altersvorsorgedepot hat klare Grenzen:

Anlageuniversum

Nur vom Anbieter angebotene Fonds/ETFs. Keine Einzelaktien, kein Krypto, keine eigenen ETF-Käufe.

Du gibst die Kontrolle ab

Keine ETF-Übertragung

Du kannst keine bestehenden ETFs aus einem privaten Depot übertragen – nur Geld einzahlen.

Wichtige Einschränkung für bestehende Anleger

Förderschädliche Entnahme

Entnahme vor Renteneintritt führt zur Rückzahlung aller Zulagen und Steuervorteile.

Flexibilität stark eingeschränkt

Vererbung

Nur an Ehepartner übertragbar ohne Förderrückzahlung. Bei Vererbung an Kinder werden Zulagen zurückgefordert.

Privates Depot ist hier klar besser

Kosten

Standarddepot max. 1,5% Effektivkosten – das ist immer noch 5-15x teurer als ein günstiges ETF-Depot beim Neobroker (0,1-0,3%). Andere Varianten können sogar noch teurer sein.

1,5% ist für ETF-Anlage viel zu teuer – sollte max. 0,8% sein

Fazit: Ein Baustein, nicht die Lösung
Das Altersvorsorgedepot ist ein verbessertes Riester-Produkt mit attraktiver Förderung – aber kein Ersatz für eigenverantwortliches Sparen.
Verstehe den Unterschied: Es ist ein VERTRAG, kein selbstverwaltetes Depot
Nutze die Förderung: 480€+ Zulagen pro Jahr sind attraktiv
Kenne die Grenzen: Keine ETF-Übertragung, eingeschränkte Flexibilität, Bindung bis zur Rente
Kombiniere beide Wege: AV-Depot für die Förderung, privates Depot für Flexibilität und Kontrolle
Bleib realistisch: 1.800€/Jahr reichen für die meisten nicht aus

Die beste Altersvorsorge kombiniert staatliche Förderung mit eigenverantwortlichem Sparen. Das Altersvorsorgedepot kann ein sinnvoller Baustein sein – aber dein privates Depot bleibt dein Sicherheitsnetz und gibt dir die Kontrolle über dein Geld.

Häufige Fragen (FAQ)

Offizielle Quellen

Dezember 2025 – Basierend auf den offiziellen FAQ des Bundesfinanzministeriums (Stand: 16.12.2025). Änderungen im Gesetzgebungsverfahren möglich.

Wichtiger Hinweis

Die auf dieser Website bereitgestellten Informationen und Berechnungen dienen ausschließlich der allgemeinen Information und stellen keine Anlageberatung, Steuerberatung oder Rechtsberatung dar. Die dargestellten Berechnungen basieren auf vereinfachten Annahmen und historischen Durchschnittswerten. Vergangene Wertentwicklungen sind kein verlässlicher Indikator für zukünftige Ergebnisse. Alle Angaben ohne Gewähr.

Altersvorsorgedepot FAQ

Was ist das Altersvorsorgedepot?

Das Altersvorsorgedepot ist die Weiterentwicklung der Riester-Rente ab 2027. Du kannst bei Banken, Neobrokern oder Fondsgesellschaften ein staatlich gefördertes Depot eröffnen und mit ETFs für deine Rente sparen.

Wie hoch ist die Förderung?

Für die ersten 1.200€ Einzahlung erhältst du 30% Zulage (max. 360€), für weitere 600€ nochmal 20% (max. 120€). Maximale Grundzulage: 480€ pro Jahr. Plus bis zu 300€ Kinderzulage pro Kind.

Wann kommt das Altersvorsorgedepot?

Das Altersvorsorgedepot soll ab dem 1. Januar 2027 verfügbar sein. Die Reform wird 2026 beschlossen.

Altersvorsorgedepot vs. Privates Depot

Das Altersvorsorgedepot bietet staatliche Förderung und Steuervorteile in der Ansparphase. Das private Depot bietet volle Flexibilität und günstigere Besteuerung bei Entnahme. Empfehlung: Beide kombinieren.

Förderquoten Beispiele

Alleinerziehend mit 2 Kindern, 600€ Einzahlung: 80% Förderquote. Single ohne Kinder, 1.800€ Einzahlung: 27% Förderquote.

Wichtige Einschränkungen

Nur Fonds Risikoklasse 1-5, keine Einzelaktien oder Krypto. Förderschädliche Entnahme vor 65: Rückzahlung aller Zulagen. Maximalbeitrag: 1.800€/Jahr.