Altersvorsorgedepot: Die Reform ab 2027
Die Reform der privaten Altersvorsorge bringt ein komplett überarbeitetes Fördersystem: Bis zu 540€ Grundzulage, 100% Kinderzulage und erstmals auch Förderung für Selbständige. Hier erfährst du alle Details.
Das Altersvorsorgedepot ist KEIN normales Depot, das du selbst verwaltest. Es ist ein zertifizierter Vertrag mit einem Anbieter (Bank, Versicherung), der dein Geld anlegt. Du kannst keine bestehenden ETFs aus einem privaten Depot übertragen – du zahlst nur Geld ein, das dann vom Anbieter investiert wird.
- Vertrag mit einem Anbieter (Bank, Versicherung)
- Anbieter legt das Geld nach Vertragsbedingungen an
- Keine Übertragung eigener ETFs möglich
- Max. 1.800€/Jahr gefördert (6.840€ max. Einzahlung)
- NEU: Auch Selbständige sind förderberechtigt!
Start
1. Januar 2027
Max. Förderung
1.800€ pro Jahr
Max. Grundzulage
540€ pro Jahr
Kinderzulage
100% bis 300€/Kind
Was ist das Altersvorsorgedepot?
Das Altersvorsorgedepot ist ein zertifizierter Altersvorsorgevertrag, den du bei einem Anbieter (Bank, Versicherung, Fondsgesellschaft) abschließt. Anders als ein privates Depot bei einem Neobroker wird das Geld vom Anbieter angelegt – du wählst aus vorgegebenen Optionen. Dafür erhältst du staatliche Zulagen und Steuervorteile. Die Förderung wurde im März 2026 nochmals deutlich verbessert!
🧮 Rechne selbst nach!
Wichtig: Die nachgelagerte Besteuerung kann die Fördervorteile komplett auffressen – besonders wenn du im Alter noch andere Einkünfte hast (Rente, Pension, Mieteinnahmen).
Probiere unbedingt den fortgeschrittenen Modus aus und gib deine erwarteten Einkünfte im Alter an, um ein realistisches Bild zu bekommen.
Die drei Produktarten
Nach der Reform gibt es drei verschiedene Produkttypen:
Vorteile:
- Höhere Renditechancen
- Keine Garantiekosten
Nachteile:
- Kein Kapitalschutz
- Wertschwankungen möglich
Für wen? Für alle mit langem Anlagehorizont und Risikotoleranz
Vorteile:
- Keine eigenen Anlageentscheidungen nötig
- Max. 1% Effektivkosten
- Einfacher Online-Abschluss möglich
Nachteile:
- Weniger Auswahl
- Automatische Umschichtung kann Rendite kosten
Für wen? Für alle ohne Kapitalmarkterfahrung, die sich nicht selbst entscheiden wollen
Vorteile:
- Planungssicherheit
- Schutz vor Verlusten
- 80%-Variante als guter Kompromiss: mehr Renditechance bei nur 20% Risiko
Nachteile:
- 100%-Garantie kostet deutlich mehr Rendite
- Garantiekosten schmälern langfristigen Vermögensaufbau
Für wen? Für sicherheitsorientierte Anleger – die 80%-Variante ist hier der beste Kompromiss
Die staatliche Förderung im Detail
Die Förderung wurde im März 2026 nochmals deutlich verbessert! Sie ist beitragsproportional – je mehr du einzahlst (bis 1.800€), desto mehr Zulagen bekommst du. Anders als bei Riester gibt es keinen komplexen Mindesteigenbeitrag mehr.
| Einzahlung | Fördersatz | Max. Zulage |
|---|---|---|
| Bis 360€ | 50 Cent pro Euro | 180€ |
| 361€ - 1.800€ | 25 Cent pro Euro | 360€ |
Maximale Grundzulage: 540€ pro Jahr bei 1.800€ Einzahlung
Diese stark verbesserte Förderung gilt ab Start 2027
Für jedes kindergeldberechtigte Kind erhält ein Elternteil 100% Kinderzulage auf den Eigenbeitrag – maximal 300€ pro Kind und Jahr. Die volle Kinderzulage wird bereits ab 25€/Monat (300€/Jahr) Eigenbeitrag erreicht!
Wer vor dem 25. Geburtstag einen Altersvorsorgevertrag abschließt, erhält einmalig 200€ Bonus.
+200€ Einmalbonus
Wer unter 26.250€ brutto im Jahr verdient und mindestens 120€ ins Altersvorsorgedepot einzahlt, bekommt zusätzlich 175€ jährlich vom Staat. Dieser Bonus kommt zur regulären Grundzulage hinzu!
+175€
jährlich zusätzlich
Um förderberechtigt zu sein, musst du mindestens 120€ pro Jahr (10€/Monat) einzahlen.
Der Gesetzgeber hat einen absoluten Maximalbetrag von 6.840€ pro Jahr und Vertrag festgelegt. Davon werden allerdings nur 1.800€ staatlich gefördert.
Du darfst bis zu zwei Altersvorsorgedepots gleichzeitig führen. In jeden kannst du maximal 6.840€ pro Jahr einzahlen – insgesamt also bis zu 13.680€ pro Jahr. Die staatliche Förderung gibt es aber nur einmal auf insgesamt maximal 1.800€ Eigenbeitrag.
Förderquoten nach Lebenssituation (NEU berechnet)
Die verbesserte Förderung macht das Altersvorsorgedepot besonders für Geringverdiener und Familien extrem attraktiv:
| Person | Situation | Einzahlung | Zulagen | Im Depot | Förderquote |
|---|---|---|---|---|---|
| Albert | Alleinerziehend, 2 Kinder | 360€ | +180€ / +600€ | 1.140€ | 217% |
| Amie | Angestellt, 1 Kind | 600€ | +240€ / +300€ | 1.140€ | 90% |
| Johannes | Gutverdiener, keine Kinder | 1.800€ | +540€ / +0€ | 2.340€ | 30% |
| Sandra | Selbständige Grafikerin | 1.800€ | +540€ / +0€ | 2.340€ | 30% |
| Lisa | Geringverdiener (20.000€/Jahr), 2 Kinder | 300€ | +150€ / +600€ | 1.225€ | 308% |
Die Förderquote berechnet sich als: Zulagen / Eigenbeitrag × 100. Durch die verbesserte 50%-Förderung auf die ersten 360€, die 100%-Kinderzulage und den Geringverdiener-Bonus (175€ bei Einkommen unter 26.250€) sind Förderquoten über 300% möglich!
Wer ist förderberechtigt? (NEU: Auch Selbständige!)
Eine der wichtigsten Neuerungen: Auch Selbständige sind jetzt förderberechtigt! Die Förderberechtigung wurde massiv ausgeweitet:
- NEU: Alle Selbständigen – unabhängig von Pflichtversicherung!
- Arbeitnehmer und Auszubildende in versicherungspflichtiger Beschäftigung
- Freiberufler und Gewerbetreibende
- Pflichtversicherte in der gesetzlichen Rentenversicherung
- Pflegende Angehörige (mind. Pflegegrad 2, mind. 10 Std./Woche)
- Eltern während der Kindererziehungszeit (3 Jahre)
- Bezieher von Arbeitslosengeld, Krankengeld, Übergangsgeld
- Minijobber (auch die von der Versicherungspflicht befreiten!)
- Beamte, Richter, Berufssoldaten
- Künstler und Publizisten nach dem KSVG
- Freiwillig Versicherte in der GRV
- Vollrentner wegen Alters
- Personen ohne Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt in Deutschland
Ehepartner: Ehepartner von unmittelbar Förderberechtigten können mittelbar förderberechtigt sein (eigener Mindestbeitrag 120€/Jahr erforderlich, max. 175€ Zulage).
🧒 Frühstart-Rente: Altersvorsorge für Kinder ab 6 Jahren
Parallel zum Altersvorsorgedepot plant die Bundesregierung die Frühstart-Rente – eine staatlich finanzierte Altersvorsorge für Kinder und Jugendliche. Der Staat zahlt für jedes Kind ab dem sechsten Lebensjahr 10€ monatlich (120€ pro Jahr) in ein individuelles Altersvorsorgedepot ein – komplett unabhängig vom Einkommen der Eltern.
2026
Kinder des Geburtsjahrgangs 2020 (die in diesem Jahr sechs werden) – rückwirkend zum 1. Januar 2026
2027
Jahrgang 2021
2028
Jahrgang 2022
Ab 2029
Zusätzlich ältere Jahrgänge nachträglich, bis alle Kinder zwischen 6 und 18 Jahren einbezogen sind
Eltern oder Erziehungsberechtigte eröffnen ein förderfähiges Altersvorsorgedepot bei einem Anbieter ihrer Wahl. Das Geld wird in breit gestreute ETFs oder Fonds investiert.
Zuzahlung: Eltern, Großeltern oder andere Dritte können eigene Beiträge einzahlen und das Depot aufstocken.
Auffanglösung: Für Kinder, deren Eltern kein eigenes Depot eröffnen, gibt es eine Auffanglösung über die Bundesbank. Die staatlichen Beiträge werden dort automatisch angelegt. Eltern können jederzeit nachträglich ein eigenes Depot eröffnen – das Guthaben wird dann übertragen.
Mit der Volljährigkeit endet die staatliche Förderung über die Frühstart-Rente. Das Depot bleibt aber bestehen und kann durch eigene Einzahlungen als reguläres Altersvorsorgedepot weiter bespart werden – mit allen Zulagen und Steuervorteilen.
Auf den ersten Blick wirken 10€ monatlich wenig. Aber der Zinseszinseffekt hat 12 Jahre Zeit bis zum 18. Geburtstag – und danach arbeitet das Geld weitere Jahrzehnte bis zur Rente:
| Alter | Staatl. Einzahlung | Depotwert (6% p.a.) |
|---|---|---|
| Mit 18 (nach 12 Jahren Förderung) | 1.440€ | ca. 2.100€ |
| Mit 30 (ohne weitere Einzahlung) | 1.440€ | ca. 4.200€ |
| Mit 45 (ohne weitere Einzahlung) | 1.440€ | ca. 10.100€ |
| Mit 67 (Renteneintritt) | 1.440€ | ca. 28.800€ |
Aus 1.440€ staatlicher Förderung werden bei 6% durchschnittlicher Rendite bis zum Renteneintritt mit 67 rund 28.800€ – ohne einen einzigen Euro Eigenbeitrag. Stocken die Eltern mit weiteren 10€ monatlich auf, verdoppeln sich die Beträge entsprechend.
Die Frühstart-Rente wird in einem eigenen Gesetz geregelt, das im Laufe des Jahres 2026 verabschiedet werden soll. Die Details können sich noch ändern.
Kosten: Gedeckelt auf maximal 1%
Die Kosten für das Altersvorsorgedepot sind gesetzlich gedeckelt – das ist ein Fortschritt gegenüber Riester. Aber die Deckelung ist aus meiner Sicht noch zu hoch angesetzt.
Für das Standarddepot gilt eine Obergrenze von maximal 1% Effektivkosten pro Jahr. Das beinhaltet alle Kosten: Fondskosten (TER), Verwaltungskosten des Anbieters und eventuelle Vertriebskosten.
Für die anderen Varianten (klassisches Altersvorsorgedepot, Garantieprodukt) gibt es keine solche Deckelung – hier können die Kosten höher ausfallen!
1% Effektivkosten sind eine Verbesserung gegenüber teuren Riester-Produkten – aber immer noch deutlich teurer als ein selbst verwaltetes ETF-Depot.
| Variante | Kosten p.a. | Bei 10.000€ | Bewertung |
|---|---|---|---|
| Altersvorsorgedepot (Standarddepot) | max. 1,0% p.a. | 100€/Jahr | Besser als Riester, aber noch teuer |
| Günstiges ETF-Depot beim Neobroker | 0,1-0,3% p.a. | 10-30€/Jahr | Was ETF-Anlage kosten sollte |
| Meine Empfehlung für AV-Depot | max. 0,8% p.a. | 80€/Jahr | Angemessene Obergrenze |
Die neue Deckelung auf 1% ist ein Fortschritt gegenüber Riester mit 2-3% Kosten. Trotzdem: Ein selbstverwaltetes ETF-Depot kostet nur 0,1-0,3%. Achte bei der Anbieterwahl genau auf die tatsächlichen Kosten – günstigere Anbieter werden kommen!
Bei 1.800€/Jahr Einzahlung über 30 Jahre mit 7% Rendite vor Kosten: Der Unterschied zwischen 0,5% und 1,5% Kosten beträgt am Ende über 20.000€ weniger Vermögen.
Vergleiche vor Vertragsabschluss die Effektivkosten verschiedener Anbieter. Günstigere Anbieter werden kommen – warte lieber auf bessere Angebote, wenn 2027 noch keine günstigen Produkte verfügbar sind.
Steuerliche Behandlung
Das Altersvorsorgedepot folgt dem Prinzip der nachgelagerten Besteuerung: Einzahlungen und Erträge sind in der Ansparphase steuerfrei, Auszahlungen werden später voll versteuert.
Zulage > Steuerersparnis
Du bekommst nur die Zulagen (typisch bei niedrigem Einkommen)
Steuerersparnis > Zulage
Du bekommst die Zulagen PLUS die Differenz als Steuervorteil
Beispiel: Johannes zahlt 1.800€ ein, bekommt 480€ Zulage. Bei ca. 33% Grenzsteuersatz wäre die Steuerersparnis ca. 750€ (auf 2.280€ inkl. Zulage, genau: 2.280€ × 33% = 752€). Er erhält: 480€ Zulage + ca. 270€ zusätzlicher Steuervorteil = ca. 750€ Gesamtförderung.
Keine Besteuerung in der Ansparphase
Kapitalerträge und Wertsteigerungen werden nicht besteuert – keine Vorabpauschale, keine Abgeltungssteuer beim Umschichten.
Sonderausgabenabzug
Eigenbeiträge plus Zulageanspruch können als Sonderausgaben geltend gemacht werden (max. 2.280€ ohne Kinderzulage).
Günstigerprüfung
Das Finanzamt wählt automatisch die für dich bessere Variante (Zulage oder Steuerersparnis).
Die Auszahlungen werden als 'sonstige Einkünfte' voll mit deinem persönlichen Steuersatz versteuert (§22 Nr. 5 EStG). Im Ruhestand ist der Steuersatz meist niedriger als im Erwerbsleben.
Altersvorsorgedepot vs. Privates Depot
Beide Wege haben ihre Berechtigung – aber sie funktionieren grundlegend unterschiedlich:
| Kriterium | Altersvorsorgedepot | Privates Depot |
|---|---|---|
| Konstruktion | Vertrag mit einem Anbieter, Geld wird vom Anbieter angelegt | Eigenes Depot, volle Kontrolle über Investments |
| Staatliche Förderung | Zulagen + Steuervorteile (30-217%!) | Keine |
| Anlageentscheidungen | Eingeschränkt: Auswahl aus Anbieter-Optionen | Völlig frei: Jeder ETF, jede Aktie |
| Flexibilität | Eingeschränkt (Auszahlung ab Renteneintritt) | Volle Flexibilität jederzeit |
| Notfall-Zugriff | Möglich, aber Förderung muss zurückgezahlt werden | Jederzeit ohne Nachteile |
| Besteuerung Ansparphase | Keine Vorabpauschale, steuerfreies Umschichten | Vorabpauschale + Steuern bei Verkauf |
| Besteuerung Auszahlung | Volle Einkommensteuer (nachgelagert) | 25% Abgeltungssteuer nur auf Gewinne |
| Kosten | Standarddepot: max. 1% Effektivkosten | ETF-Depot ab 0,2% TER möglich |
| Anbieterwechsel | Nach 5 Jahren kostenfrei, vorher Gebühren möglich | Depotübertrag meist kostenlos |
| Vererbbarkeit | Erben können Guthaben in eigenen Vertrag übertragen (dann keine Rückzahlung) | Volle Vererbbarkeit ohne Einschränkung |
Das Altersvorsorgedepot bietet attraktive Förderung, aber weniger Kontrolle und Flexibilität. Es ist ein Baustein der Altersvorsorge – nicht die komplette Lösung.
Altersvorsorgedepot vs. Riester-Rente: Der direkte Vergleich
Die Reform bringt massive Verbesserungen gegenüber dem alten Riester-System:
| Kriterium | Riester (alt) | Altersvorsorgedepot (neu) |
|---|---|---|
| Beitragsgarantie | 100% verpflichtend | Keine (optional 80% oder 100%) |
| Typische Kosten | 2-3% pro Jahr | 0,1-1% pro Jahr |
| Aktienquote | Meist unter 30% | Bis zu 100% |
| Grundzulage | Fix 175€/Jahr | Bis zu 540€/Jahr (50 Cent/€) |
| Volle Kinderzulage ab | 60€/Jahr Eigenbeitrag | 25€/Monat Eigenbeitrag |
| Selbständige | Nicht förderberechtigt | Voll förderberechtigt |
| Steuern in der Ansparphase | Produktabhängig | Komplett steuerfrei |
| Umschichtungen | Eingeschränkt, ggf. steuerpflichtig | Beliebig oft, steuerfrei |
| Auszahlung | Mind. 70% müssen verrentet werden | Frei wählbar (Auszahlplan oder Rente) |
| Anbieterwechsel | Möglich, oft mit hohen Kosten | Nach 5 Jahren kostenfrei |
Bei 25.000€ Riester-Guthaben und 20 Jahren Restlaufzeit: Die Kosten sinken typischerweise von 1,5-2,5% auf 0,1-0,2%. Das spart rund 15.000€ an Gebühren bis zur Rente.
Riester-Kosten
2% p.a. = ca. 500€/Jahr
AVD-Kosten
0,2% p.a. = ca. 50€/Jahr
Ersparnis
ca. 15.000€ über 20 Jahre (inkl. Zinseszins auf gesparte Kosten)
Der Verzicht auf die Beitragsgarantie ist der Schlüssel: Er ermöglicht eine volle Aktienquote und damit historisch deutlich höhere Renditen. Die höhere Förderung, steuerfreie Umschichtungen und die flexible Auszahlung machen das neue System für die meisten Sparer deutlich attraktiver.
Die differenzierte Empfehlung
Nutze die Förderung – aber verstehe die Grenzen.
Die Zulagen sind jetzt deutlich attraktiver (30-217% Förderquote durch die März 2026-Verbesserungen). Aber: Du gibst Kontrolle ab, das Geld ist bis zur Rente gebunden, und 1.800€/Jahr reichen meist nicht, um die Rentenlücke zu schließen. Ein privates Depot bleibt für die meisten Menschen unverzichtbar – das AVD ist eine Ergänzung, kein Ersatz.
→ Jetzt Rentenlücke berechnenFür wen sich das Altersvorsorgedepot besonders lohnt
- •Familien mit Kindern: 100% Kinderzulage (Euro für Euro) – bis zu 300€ pro Kind/Jahr zusätzlich
- •Geringverdiener: Über 200% Förderquote möglich bei Kombination mit Kinderzulagen
- •Berufseinsteiger unter 25: 200€ Einmalbonus mitnehmen
- •Selbständige: Endlich förderberechtigt! Gleiche Konditionen wie Angestellte
- •Alle, die 30-50% staatliche Förderung auf Altersvorsorge mitnehmen wollen
Die Nachteile, die du kennen solltest
- •Kein selbstverwaltetes Depot – der Anbieter legt an
- •Keine Übertragung bestehender ETFs möglich
- •Geld bis zur Rente gebunden (förderschädliche Entnahme kostet)
- •1.800€/Jahr reichen für die meisten nicht aus
- •Kosten von max. 1% sind für ETF-Anlage immer noch teurer als ein privates Depot (0,1-0,3%)
- •Vererbung: Erben müssen Guthaben in eigenen Vertrag übertragen, sonst Zulagenrückzahlung
- •Volle Einkommensteuer im Alter kann teurer sein als 25% Abgeltungssteuer heute
Welche Produkte dürfen ins Altersvorsorgedepot?
Das Altersvorsorgedepot erlaubt nur bestimmte Anlageprodukte, die der Anbieter in seinem Produktportfolio führt. Hier ist wichtig zu verstehen: Du kaufst keine ETFs direkt – du schließt einen Vertrag ab und wählst aus dem Angebot des Anbieters.
Passive Fonds, die einen Index wie den MSCI World oder DAX abbilden. Niedrige Kosten (0,1-0,3% TER), keine aktiven Fondsmanager.
ETFs sind die kosteneffizienteste Form der Aktienanlage. Sie folgen dem Markt und liefern die Marktrendite abzüglich minimaler Kosten.
Fonds mit Fondsmanagern, die versuchen, durch aktive Auswahl den Markt zu schlagen. Höhere Kosten (1,5-2,5% TER + ggf. Ausgabeaufschlag).
Aktiv gemanagte Fonds sind aus meiner Sicht keine sinnvolle Option für langfristige Altersvorsorge.
Produkte mit Garantie auf mindestens die eingezahlten Beiträge zum Rentenbeginn. Meist Mischung aus Fonds und sicheren Anlagen.
Garantien kosten Rendite. Wer 30+ Jahre Zeit hat, sollte auf Garantien verzichten. Wenn Garantie, dann die 80%-Variante – sie bietet deutlich mehr Renditechance bei nur 20% Risiko.
Auf Euro lautende Anleihen (Staats- und Unternehmensanleihen) sind im Altersvorsorgedepot grundsätzlich zulässig, sofern der Anbieter diese anbietet.
Euro-Anleihen können zur Diversifikation und Risikoreduzierung beitragen, insbesondere wenn der Renteneintritt näher rückt. Die Rendite liegt aber meist unter der von Aktien-ETFs.
Aktiv gemanagte Fonds versprechen, den Markt zu schlagen – aber die Realität sieht anders aus. Zahlreiche wissenschaftliche Studien belegen, dass aktive Fonds systematisch hinter der Marktrendite zurückbleiben:
Über 90% der aktiven Fonds schlagen den Index nicht
Die SPIVA-Studien von S&P zeigen Jahr für Jahr: Auf lange Sicht (10-15 Jahre) schaffen es weniger als 10% der aktiv gemanagten Fonds, ihre Benchmark zu übertreffen.
Die Kosten fressen die Rendite
Ein aktiver Fonds mit 1,8% TER muss jedes Jahr 1,5% mehr Rendite erwirtschaften als ein ETF mit 0,3% TER – nur um gleich abzuschneiden. Das schafft auf Dauer kaum ein Fondsmanager.
Vergangene Performance garantiert nichts
Selbst wenn ein Fonds in der Vergangenheit gut war: Es gibt keine zuverlässige Methode, zukünftige Gewinner-Fonds vorherzusagen. Die heutigen Top-Performer sind selten die Top-Performer von morgen.
Der Zinseszinseffekt arbeitet gegen dich
1% Mehrkosten klingen wenig, aber über 30 Jahre Ansparzeit summiert sich das auf 20-30% weniger Endvermögen.
Für die Altersvorsorge gilt: Wähle im Altersvorsorgedepot ausschließlich ETF-basierte Optionen. Die niedrigen Kosten und die garantierte Marktrendite sind für langfristiges Sparen nicht zu schlagen. Lass dich nicht von Versprechungen aktiver Fondsmanager blenden – die Statistik ist eindeutig.
- Einzelaktien kaufen
- Kryptowährungen
- Bestehende ETFs aus deinem privaten Depot übertragen
- Völlig frei jeden beliebigen ETF kaufen – nur Auswahl aus Anbieterangebot
- Rohstoffe direkt kaufen
Achte bei der Anbieterwahl darauf, dass günstige, breit gestreute ETFs (z.B. auf MSCI World oder FTSE All-World) angeboten werden. Finger weg von Anbietern, die nur teure aktive Fonds im Sortiment haben!
Die Auszahlphase: Zwei Optionen + 30% Sofortauszahlung
Zwischen deinem 65. und 70. Geburtstag wechselst du in die Auszahlphase. Beziehst du schon vorher eine gesetzliche Altersrente oder Beamtenpension, darfst du auch früher starten. Spätestens mit 70 muss die Auszahlung beginnen.
Bei beiden Varianten darfst du zu Beginn einmalig bis zu 30% deines Depotwerts auf einen Schlag entnehmen. Bei 300.000€ wären das z.B. 90.000€ sofort.
Vorteile:
- Höhere monatliche Beträge als bei Verrentung
- Noch nicht ausgezahltes Vermögen ist vererbbar
- Kein Versicherungsmantel nötig
Nachteile:
- Ab 85 ist das Kapital aufgebraucht
- Langlebigkeitsrisiko (aber: privates Depot als Backup)
Vorteile:
- Kein Langlebigkeitsrisiko
- Planbare Einnahmen bis zum Lebensende
Nachteile:
- Geringere monatliche Beträge
- Bei frühem Tod ist Kapital oft verloren
- Keine Vererbung möglich (außer bei Rentengarantiezeit)
Rentengarantiezeit
Bei Leibrenten kann optional eine 10- oder 20-jährige Rentengarantiezeit vereinbart werden: Stirbst du in dieser Zeit, erhalten Hinterbliebene die Rente bis zum Ende der Garantiezeit.
Sven und Lena haben beide 300.000€ im Depot. Beide entnehmen 30% (90.000€) sofort als Einmalzahlung. Die verbleibenden 210.000€ werden unterschiedlich ausgezahlt:
| Person | Variante | Monatl. Zahlung | Laufzeit | Break-even |
|---|---|---|---|---|
| Sven | Auszahlplan bis 85 | ca. 1.250€ | 18 Jahre (67-85) | — |
| Lena (Rentenfaktor 35) | Leibrente | ca. 735€ | lebenslang | 97 Jahre |
| Lena (Rentenfaktor 30) | Leibrente | ca. 630€ | lebenslang | 94 Jahre |
| Lena (Rentenfaktor 25) | Leibrente | ca. 525€ | lebenslang | 95 Jahre |
Sven bekommt monatlich fast doppelt so viel wie Lena. Dafür enden seine Zahlungen mit 85. Lena müsste je nach Rentenfaktor 94 bis 97 Jahre alt werden, damit ihre kumulierten Auszahlungen Svens übersteigen.
Eintritt in Auszahlphase mit 67, Depotguthaben 300.000€, 30% Teilkapitalisierung, 3% Rendite p.a. in der Auszahlphase beim Auszahlplan. Ohne Berücksichtigung von Inflation und Steuern.
Abfindung bei geringem Guthaben (Kleinbetragsrente)
Liegt deine berechnete monatliche Rente unter ca. 59€ (1,5% der Bezugsgröße), kannst du dir dein gesamtes Guthaben als Einmalzahlung auszahlen lassen.
Faustregel: Bei einem Rentenfaktor von 30 greift diese Regelung bei einem Guthaben von maximal rund 20.000€.
Meine Empfehlung
Für die meisten empfehle ich den Auszahlungsplan bis 85. Das Langlebigkeitsrisiko kannst du mit deinem privaten Depot abdecken – das ist flexibler und du behältst die Kontrolle.
Für Riester-Sparer: Wechseln oder bleiben?
Bestehende Riester-Verträge genießen Bestandsschutz. Du hast mehrere Optionen:
Weiter wie bisher
Du behältst deinen Riester-Vertrag mit der bisherigen Förderung. Keine Änderung nötig.
Nur Förderung wechseln
Du behältst deinen Vertrag, wechselst aber in die neue Fördersystematik (beitragsproportionale Zulagen). Erklärung an Anbieter genügt.
Komplett wechseln
Du überträgst dein Riester-Kapital in ein neues Altersvorsorgedepot mit neuen Konditionen und neuer Förderung. Dabei können Wechselkosten anfallen.
Nach 5 Jahren Vertragslaufzeit: Kostenfrei. Vorher: Bis zu 150€ Wechselgebühr möglich.
Ein Wechsel zurück zur alten Förderung ist nicht möglich. Prüfe vorher genau, ob sich der Wechsel für deine Situation lohnt.
Wichtige Einschränkungen
Das Altersvorsorgedepot hat klare Grenzen:
Anlageuniversum
Nur vom Anbieter angebotene Fonds/ETFs. Keine Einzelaktien, kein Krypto, keine eigenen ETF-Käufe.
Du gibst die Kontrolle ab
Keine ETF-Übertragung
Du kannst keine bestehenden ETFs aus einem privaten Depot übertragen – nur Geld einzahlen.
Wichtige Einschränkung für bestehende Anleger
Förderschädliche Entnahme
Entnahme vor Renteneintritt führt zur Rückzahlung aller Zulagen und Steuervorteile.
Flexibilität stark eingeschränkt
Vererbung
Erben können das Guthaben in einen eigenen Altersvorsorgevertrag übertragen – dann bleibt die Förderung erhalten. Bei Barauszahlung werden die Zulagen zurückgefordert.
Bei Übertragung in eigenen Vertrag keine Nachteile
Kosten
Standarddepot max. 1% Effektivkosten – das ist immer noch 3-10x teurer als ein günstiges ETF-Depot beim Neobroker (0,1-0,3%). Andere Varianten können sogar noch teurer sein.
1% ist für ETF-Anlage noch teuer, aber besser als Riester
Die beste Altersvorsorge kombiniert staatliche Förderung mit eigenverantwortlichem Sparen. Das Altersvorsorgedepot kann ein sinnvoller Baustein sein – aber dein privates Depot bleibt dein Sicherheitsnetz und gibt dir die Kontrolle über dein Geld.
Häufige Fragen (FAQ)
Offizielle Quellen
Stand: 10. April 2026 – Mit den Verbesserungen vom 24.03.2026: 50% Grundförderung, 100% Kinderzulage (Euro für Euro), 175€ Geringverdiener-Bonus, max. 1% Kosten, Selbständige förderberechtigt, Frühstart-Rente für Kinder ab 6 Jahren. Basierend auf den offiziellen FAQ des BMF und Finanzen.net.
Wichtiger Hinweis
Die auf dieser Website bereitgestellten Informationen, Artikel und Berechnungen dienen ausschließlich der allgemeinen Information und Bildung. Sie stellen keine Anlageberatung, Anlageempfehlung, Steuerberatung oder Rechtsberatung im Sinne des § 34f bzw. § 34h GewO dar und ersetzen diese nicht. Die dargestellten Berechnungen basieren auf vereinfachten Annahmen und historischen Durchschnittswerten. Vergangene Wertentwicklungen sind kein verlässlicher Indikator für zukünftige Ergebnisse. Die Nutzung erfolgt auf eigene Verantwortung. Alle Angaben ohne Gewähr.
Altersvorsorgedepot FAQ
Was ist das Altersvorsorgedepot?
Das Altersvorsorgedepot ist die Weiterentwicklung der Riester-Rente ab 2027. Du kannst bei Banken, Neobrokern oder Fondsgesellschaften ein staatlich gefördertes Depot eröffnen und mit ETFs für deine Rente sparen.
Wie hoch ist die Förderung?
Für die ersten 1.200€ Einzahlung erhältst du 30% Zulage (max. 360€), für weitere 600€ nochmal 20% (max. 120€). Maximale Grundzulage: 480€ pro Jahr. Plus bis zu 300€ Kinderzulage pro Kind.
Wann kommt das Altersvorsorgedepot?
Das Altersvorsorgedepot soll ab dem 1. Januar 2027 verfügbar sein. Die Reform wird 2026 beschlossen.
Altersvorsorgedepot vs. Privates Depot
Das Altersvorsorgedepot bietet staatliche Förderung und Steuervorteile in der Ansparphase. Das private Depot bietet volle Flexibilität und günstigere Besteuerung bei Entnahme. Empfehlung: Beide kombinieren.
Förderquoten Beispiele
Alleinerziehend mit 2 Kindern, 600€ Einzahlung: 80% Förderquote. Single ohne Kinder, 1.800€ Einzahlung: 27% Förderquote.
Wichtige Einschränkungen
Nur Fonds Risikoklasse 1-5, keine Einzelaktien oder Krypto. Förderschädliche Entnahme vor 65: Rückzahlung aller Zulagen. Maximalbeitrag: 1.800€/Jahr.