Risikoprofil ermitteln – Welcher Anlegertyp bist du?

Ermittle dein persönliches Risikoprofil mit unserem kostenlosen Fragebogen. Basierend auf dem Gerd Kommer Zwei-Faktoren-Modell: Subjektive Risikobereitschaft und objektive Risikotragfähigkeit.

Was ist ein Risikoprofil?

Dein Risikoprofil beschreibt, wie viel Risiko du bei der Geldanlage eingehen kannst und willst. Es ist die Grundlage für deine Anlagestrategie und bestimmt, wie du dein Geld auf verschiedene Anlageklassen verteilen solltest.

Ein Risikoprofil setzt sich aus zwei Faktoren zusammen:

  • Subjektive Risikobereitschaft: Wie viel Risiko willst du emotional eingehen?
  • Objektive Risikotragfähigkeit: Wie viel Risiko kannst du dir finanziell leisten?

Dein finales Risikoprofil ist immer das Minimum aus beiden Werten.

Die verschiedenen Risikoklassen

  • Konservativ: Max. 25% Aktien, Fokus auf Kapitalerhalt, geringe Schwankungen
  • Ausgewogen: Ca. 50% Aktien, Balance zwischen Rendite und Sicherheit
  • Wachstumsorientiert: Ca. 75% Aktien, höhere Rendite bei mehr Schwankung
  • Offensiv: Bis 100% Aktien, maximale Renditechancen, starke Schwankungen möglich

So funktioniert der Risikoprofil-Test

Unser Fragebogen basiert auf dem wissenschaftlich fundierten Gerd Kommer Zwei-Faktoren-Modell. Teil 1 erfasst deine emotionale Risikobereitschaft mit Fragen zu deiner Reaktion auf Marktschwankungen. Teil 2 prüft deine objektive Risikotragfähigkeit anhand finanzieller Fakten wie Anlagehorizont, Einkommen und Rücklagen.

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Warum dein Risikoprofil so wichtig ist

Dein Risikoprofil bestimmt, welche Anlagestrategien für dich geeignet sind. Es setzt sich aus zwei Faktoren zusammen: Deiner subjektiven Risikobereitschaft (was willst du?) und deiner objektiven Risikotragfähigkeit (was kannst du dir leisten?). Das Minimum aus beiden bestimmt deine maximale Aktienquote.

Die meisten Anleger überschätzen ihre Risikobereitschaft in Bullen-Märkten und unterschätzen sie in Crashs. Dieser Fragebogen hilft dir, eine realistische Einschätzung zu finden – bevor es an der Börse kracht.

Die Geschichte von Max und dem Corona-Crash

Warum Selbstüberschätzung der teuerste Fehler an der Börse ist:

Max, 32, Software-Entwickler, hielt sich für risikofreudig. 'Langfristig steigen Aktien immer', sagte er. Also steckte er seine kompletten 50.000 € Ersparnisse in einen weltweiten Aktien-ETF – 100% Aktienquote.

Dann kam März 2020. Innerhalb von drei Wochen stürzte sein Portfolio um 35% ab – von 50.000 € auf 32.500 €. Die Nachrichten überschlugen sich mit Weltuntergangs-Szenarien. Max konnte nachts nicht mehr schlafen. Am 18. März 2020, dem tiefsten Punkt, hielt er es nicht mehr aus und verkaufte alles.

Sechs Monate später stand der Markt wieder auf Ausgangsniveau. Ein Jahr später 30% höher. Max hatte nicht nur den Crash realisiert, sondern auch die komplette Erholung verpasst. Sein Verlust: rund 25.000 € – die Hälfte seiner Ersparnisse.

Max' objektive Risikotragfähigkeit wäre hoch gewesen (sicherer Job, lange Zeit bis zur Rente). Aber seine subjektive Risikobereitschaft war viel niedriger als gedacht. Ein 60/40-Portfolio hätte nur 21% verloren – verkraftbar für Max.

Die Moral: Kenne dein echtes Risikoprofil. Nicht das, was du denkst, wenn alles gut läuft.

Die zwei Faktoren nach Gerd Kommer

Subjektive RisikobereitschaftWie viel Risiko willst du? Emotionale Verträglichkeit von Wertschwankungen.
Objektive RisikotragfähigkeitWie viel Risiko kannst du dir leisten? Basiert auf Fakten: Alter, Einkommen, Vermögen, Schulden.
Ergebnis = MinimumDein Risikoprofil ist das Minimum aus beiden Faktoren – nicht der Durchschnitt!
HumankapitalDein zukünftiges Arbeitseinkommen wirkt wie eine sichere Anleihe und beeinflusst deine Risikotragfähigkeit.

Was bedeutet Aktienquote konkret?

Du hast 100.000 € Vermögen und ein Risikoprofil 'Ausgewogen' mit empfohlener Aktienquote von 55%.

55.000 € in weltweite Aktien-ETFs, 35.000 € in sichere Anleihen-ETFs, 10.000 € auf Tagesgeld als Reserve.

Bei einem Crash von 35% (wie 2020) verliert dein Aktienanteil ca. 19.250 €. Dein Gesamtportfolio fällt um etwa 19% – verkraftbar, wenn du es durchhältst.

💡 Die Aktienquote ist dein wichtigster Rendite- und Risiko-Hebel. 10% mehr Aktien = langfristig ca. 0,5% mehr Rendite, aber auch deutlich höhere Schwankungen.

Was die Wissenschaft sagt

Die Asset Allocation – also die Aufteilung zwischen risikoarmen und risikoreichen Anlagen – erklärt über 90% der Renditeunterschiede zwischen Portfolios. Nicht Stock-Picking, nicht Market-Timing.

Brinson, Hood & Beebower (1986), Determinants of Portfolio Performance

Diese bahnbrechende Studie zeigt: Die wichtigste Entscheidung ist nicht, welchen ETF du kaufst, sondern wie viel Prozent du in Aktien vs. sichere Anlagen steckst. Dein Risikoprofil bestimmt diese Entscheidung.

Das Konzept des Humankapitals

Warum junge Menschen mehr Risiko eingehen können – und warum das nicht an 'Jugendlicher Leichtsinnigkeit' liegt:

Stell dir vor, dein Humankapital wäre eine Anleihe. Als 25-Jähriger mit erwartetem Lebenseinkommen von 2 Millionen Euro hast du quasi eine 2-Millionen-Anleihe im Portfolio – sehr sicher, wenn du einen stabilen Job hast.

Diese 'Anleihe' macht deinen größten Vermögensposten aus. Deshalb kannst du dein Finanzportfolio aggressiver aufstellen. Als 60-Jähriger kurz vor der Rente ist diese 'Anleihe' fast aufgebraucht – mehr Sicherheit im Depot wird nötig.

Beamte haben ein besonders sicheres Humankapital (quasi staatlich garantiert). Selbstständige in zyklischen Branchen haben ein unsicheres Humankapital und sollten deshalb konservativer anlegen.

Faustregel: 100 minus Lebensalter = maximale Aktienquote. Aber: Beamte können 10-20% mehr riskieren, Selbstständige 10-20% weniger.

Dein Humankapital ist der unsichtbare Teil deines Gesamtvermögens – und er bestimmt, wie viel Risiko du dir leisten kannst.

So nutzt du dein Ergebnis

Du hast den Fragebogen ausgefüllt – und jetzt?

👉 Dein Risikoprofil bestimmt deine maximale Aktienquote. Halte dich daran – auch wenn die Börse lockt!

Konservativ (max. 30% Aktien): Fokus auf Kapitalerhalt, z.B. 70% Anleihen + 30% Aktien
Ausgewogen (max. 60% Aktien): Das klassische 60/40-Portfolio
Wachstum (max. 80% Aktien): Für lange Anlagehorizonte von 15+ Jahren
Spekulativ (bis 100% Aktien): Nur bei hoher Risikotragfähigkeit UND Risikobereitschaft

Dein Risikoprofil in der Praxis

1

Ehrlich antworten

Stell dir wirklich vor, du siehst -40% im Depot. Wie fühlst du dich?

2

Beide Faktoren checken

Auch wenn du risikobereit bist: Hast du einen sicheren Job? Notgroschen aufgebaut?

3

Portfolio anpassen

Setze die empfohlene Aktienquote um – nicht mehr und nicht weniger

4

Regelmäßig überprüfen

Alle 2-3 Jahre oder bei großen Lebensveränderungen (Jobwechsel, Kinder, Erbe)

5

Im Crash standhaft bleiben

Wenn du richtig eingestuft bist, hältst du auch -35% durch ohne zu verkaufen

Wichtiger Hinweis

Die auf dieser Website bereitgestellten Informationen und Berechnungen dienen ausschließlich der allgemeinen Information und stellen keine Anlageberatung, Steuerberatung oder Rechtsberatung dar. Die dargestellten Berechnungen basieren auf vereinfachten Annahmen und historischen Durchschnittswerten. Vergangene Wertentwicklungen sind kein verlässlicher Indikator für zukünftige Ergebnisse. Alle Angaben ohne Gewähr.