Quellensteuer bei Aktien & ETFs
Wie ausländische Steuern deine Dividenden schmälern – und was du dagegen tun kannst
90+
Länder
15%
laut DBA
35%
20% erstattbar
30%
bei Aktienfonds
Die Quellensteuer ist eine Steuer, die direkt an der Einkommensquelle einbehalten wird – also bevor das Geld bei dir ankommt. Bei Kapitalanlagen bedeutet das: Wenn ein ausländisches Unternehmen Dividenden an dich ausschüttet, behält der Quellenstaat (das Land, in dem das Unternehmen sitzt) einen Teil davon als Steuer ein.
📌 Beispiel: Nike-Dividende
Du besitzt Nike-Aktien und bekommst 100€ Dividende. Da Nike ein US-Unternehmen ist, behalten die USA als Quellenstaat 30% Quellensteuer ein. Es kommen also nur 70€ bei dir an – plus du musst in Deutschland noch Abgeltungssteuer zahlen.
⚠️ Ohne Gegenmaßnahmen zahlst du auf ausländische Dividenden doppelt Steuern: Quellensteuer im Ausland UND Abgeltungssteuer in Deutschland.
Jedes Land legt seinen eigenen Quellensteuersatz fest. Die Unterschiede sind erheblich:
| Land | Satz | Anrechenbar | Erstattbar |
|---|---|---|---|
| 🇺🇸 USA | 30% | 15% | 15% |
| 🇨🇭 Schweiz | 35% | 15% | 20% |
| 🇫🇷 Frankreich | 30% | 12.8% | 17.2% |
| 🇬🇧 UK | 0% | 0% | 0% |
| 🇮🇪 Irland | 25% | 15% | 10% |
| 🇳🇱 Niederlande | 15% | 15% | 0% |
| 🇦🇹 Österreich | 27.5% | 15% | 12.5% |
| 🇸🇪 Schweden | 30% | 15% | 15% |
| 🇩🇰 Dänemark | 27% | 15% | 12% |
| 🇫🇮 Finnland | 35% | 15% | 20% |
| 🇮🇹 Italien | 26% | 15% | 11% |
| 🇪🇸 Spanien | 19% | 15% | 4% |
| 🇯🇵 Japan | 15% | 15% | 0% |
| 🇨🇦 Kanada | 25% | 15% | 10% |
| 🇦🇺 Australien | 30% | 15% | 15% |
| 🇧🇷 Brasilien | 0% | 0% | 0% |
Quelle: Bundeszentralamt für Steuern, Stand 2025
Um eine doppelte Besteuerung zu vermeiden, hat Deutschland mit über 90 Ländern Doppelbesteuerungsabkommen geschlossen. Diese regeln, welcher Staat in welchem Umfang besteuern darf.
Begrenzung der Quellensteuer auf meist 15%
Anrechnung auf die deutsche Abgeltungssteuer
Möglichkeit zur Erstattung überschüssiger Quellensteuer
So funktioniert die Anrechnung (Beispiel Schweiz)
Wenn du dir ETFs anschaust, wirst du feststellen, dass die meisten ein irisches Domizil haben (erkennbar an der ISIN, die mit 'IE' beginnt). Das hat steuerliche Gründe:
🇮🇪 Günstiges DBA mit den USA
Irland hat mit den USA ein DBA, das die Quellensteuer auf US-Dividenden von 30% auf 15% reduziert. Da viele ETFs US-Aktien enthalten, ist das ein enormer Vorteil.
🏛️ UCITS-Rahmen
Irland ist ein wichtiger EU-Finanzstandort mit bewährter Fondsregulierung (UCITS). ETFs können von hier aus in der gesamten EU verkauft werden.
💸 Keine Quellensteuer auf Ausschüttungen
Anders als z.B. Deutschland erhebt Irland keine Quellensteuer auf Fondsausschüttungen an ausländische Anleger.
📊 Niedrige Körperschaftsteuer
Irland hat mit 12,5% eine der niedrigsten Körperschaftsteuersätze in der EU, was für die Fondsgesellschaften attraktiv ist.
📈 Beispiel: US-Dividenden im ETF
ETF mit Domizil Irland (IE...)
15% Quellensteuer auf US-Dividenden dank DBA
→ Von 100€ kommen 85€ im ETF an
ETF mit Domizil Deutschland (DE...)
30% Quellensteuer auf US-Dividenden
→ Von 100€ kommen nur 70€ im ETF an
💡 Bei einem MSCI World ETF mit ~70% US-Anteil kann der Irland-Vorteil über die Jahre mehrere Prozentpunkte Rendite ausmachen!
📊 Bei ETFs
- Der Fondsanbieter kümmert sich um die Quellensteuer
- Erstattbare Quellensteuer fließt zurück ins Fondsvermögen
- Du kannst die Quellensteuer NICHT selbst anrechnen lassen
- Stattdessen gibt es die Teilfreistellung (30% bei Aktienfonds)
- Die Teilfreistellung kompensiert pauschal die Quellensteuerbelastung
📈 Bei Einzelaktien
- Du erhältst die Dividende abzüglich Quellensteuer
- Anrechenbare Quellensteuer verrechnet deine Bank automatisch
- Darüber hinausgehende Quellensteuer musst du selbst zurückfordern
- Das kann aufwendig sein (Formulare, Gebühren, Wartezeiten)
- Bei kleinen Beträgen lohnt sich der Aufwand oft nicht
Schweizer Aktien wie Nestlé, Novartis oder Roche haben hohe Dividendenrenditen – aber auch 35% Quellensteuer. So holst du dir die 20% Erstattung:
Online registrieren
Erstelle ein Konto bei der Eidgenössischen Steuerverwaltung (ESTV) unter www.estv.admin.ch für das System 'eF85'.
Unterlagen sammeln
Du benötigst: Dividendenabrechnungen deiner Bank und den 'Tax Voucher' (bei manchen Banken automatisch, bei anderen gegen Gebühr erhältlich).
Antrag online ausfüllen
Im eF85-System trägst du deine Dividenden ein und lädst die Belege hoch. Das Formular ist auf Deutsch.
Wohnsitzbestätigung holen
Drucke den Antrag aus und lass dir vom deutschen Finanzamt deinen Wohnsitz bestätigen.
Per Post einsenden
Schicke den bestätigten Antrag per Post an die Schweizer Steuerverwaltung.
Erstattung erhalten
Die Schweizer Behörden sind vergleichsweise schnell – die Erstattung erfolgt meist innerhalb weniger Wochen.
💰 Kosten & Aufwand
- • ESTV-Portal: kostenlos
- • Tax Voucher: je nach Bank 0-50€
- • Wohnsitzbestätigung Finanzamt: meist kostenlos
- • Porto Schweiz: ca. 2€
- • Zeitaufwand: 1-2 Stunden beim ersten Mal
💡 Ab wann lohnt es sich?
Die Schweizer Erstattung lohnt sich ab ca. 200€ Brutto-Dividende pro Jahr. Bei Nestlé mit ~3% Dividendenrendite sind das etwa 6.700€ investiertes Kapital.
Bei US-Aktien ist die Quellensteuer meist kein Problem, weil sie automatisch reduziert wird:
Die meisten deutschen Banken und Broker sind Teil des 'Qualified Intermediary Agreement' (QI). Dadurch wird die US-Quellensteuer automatisch von 30% auf 15% reduziert – ohne dass du etwas tun musst.
✅ Voraussetzungen
- • Dein Broker nimmt am QI-Agreement teil (fast alle tun das)
- • Du bist in Deutschland unbeschränkt steuerpflichtig
- • Du giltst nicht als 'US Person'
⚠️ Wann du das W-8BEN Formular brauchst
- • Bei manchen ausländischen Brokern (z.B. Interactive Brokers)
- • Wenn du als 'Auslands-Person' giltst
- • Bei Daueraufträgen ins Ausland
Nicht überall ist die Quellensteuer-Erstattung so einfach wie in der Schweiz:
Problem: Formulare auf Französisch, Bescheinigung der Lagerstelle nötig (oft 50-100€ Gebühr), kompliziertes Verfahren
Empfehlung: Lohnt sich meist nur bei sehr hohen Dividenden
Problem: Bearbeitungszeit von mehreren Jahren (!), bürokratisches Verfahren
Empfehlung: Erstattung praktisch nicht sinnvoll
Problem: Nur 4% erstattbar, Aufwand steht selten im Verhältnis
Empfehlung: Meist nicht lohnenswert
Problem: Kompliziertes elektronisches System, dänische Identifikationsnummer nötig
Empfehlung: Möglich, aber aufwendig
💡 Bei problematischen Ländern ist es oft sinnvoller, die Quellensteuer als 'Kosten' zu akzeptieren oder auf Investments mit hohen Dividenden aus diesen Ländern zu verzichten.
⚠️ Das Verpuffungs-Problem
Wenn du einen Freistellungsauftrag hast und deine Kapitalerträge unter dem Sparerpauschbetrag liegen, kann die anrechenbare Quellensteuer 'verpuffen': Sie wird im Quellensteuer-Verrechnungstopf geparkt, aber da keine Abgeltungssteuer anfällt, gibt es nichts zum Verrechnen.
✅ Mögliche Lösungen
- Zweitdepot ohne Freistellungsauftrag für ausländische Dividenden-Aktien
- Am Jahresende prüfen: Ist noch Pauschbetrag frei? Dann ggf. Gewinne realisieren
- Beträge aus Verrechnungstopf über Steuererklärung mit anderen Banken verrechnen
🚨 Nicht angerechnete Quellensteuer aus dem Verrechnungstopf verfällt am Jahresende und kann NICHT ins nächste Jahr übertragen werden!
ETFs bevorzugen
Bei ETFs kümmert sich der Fondsanbieter um die Quellensteuer. Die Teilfreistellung von 30% kompensiert die Steuerbelastung pauschal.
Irisches Domizil wählen
Achte bei US-lastigen ETFs auf irisches Domizil (ISIN beginnt mit 'IE') für den Quellensteuer-Vorteil.
UK und Brasilien sind steuerfrei
Dividenden aus UK und Brasilien haben keine Quellensteuer – ein Vorteil bei Einzelaktien.
Schweiz-Erstattung nutzen
Bei Schweizer Aktien (Nestlé, Novartis, Roche) lohnt sich die Erstattung der 20% ab ca. 200€ Dividende.
USA ist unkompliziert
US-Aktien sind dank automatischer Reduktion auf 15% steuerlich unproblematisch.
Italien & Frankreich meiden
Bei Einzelaktien aus diesen Ländern ist die Erstattung so aufwendig, dass sie sich selten lohnt.
Die Quellensteuer kann deine Rendite schmälern – muss sie aber nicht. Mit dem richtigen Wissen und den passenden Strategien minimierst du die Steuerlast:
- ETFs aus Irland nutzen den Quellensteuer-Vorteil für dich
- Bei US-Aktien erfolgt die Reduktion automatisch
- Schweizer Quellensteuer lässt sich relativ einfach zurückholen
- Bei problematischen Ländern ist Akzeptieren oft besser als Erstattung
- Die Teilfreistellung bei ETFs kompensiert die Quellensteuer pauschal
Diese Informationen dienen nur der allgemeinen Information und stellen keine Anlageberatung dar. Vergangene Renditen sind keine Garantie für zukünftige Ergebnisse. Alle Angaben ohne Gewähr.