Wie ETFs gehandelt werden – Market Maker, NAV & Arbitrage
An der Börse kannst du einen ETF kaufen und verkaufen wie eine Aktie. Aber wer stellt eigentlich die Kurse? Was hat es mit NAV und iNAV auf sich? Und warum weicht der Börsenkurs manchmal vom tatsächlichen Wert ab – und wie kommt er wieder zurück?
In 20 Sekunden verstanden
- 1. ETF-Kurse entstehen über Market Maker und laufende Preisstellung.
- 2. NAV und iNAV helfen, faire Preise besser einzuordnen.
- 3. Arbitrage zieht größere Abweichungen meist schnell wieder zusammen.
Wenn du einen ETF-Sparplan ausführst, passiert im Hintergrund mehr als du denkst. Anders als bei Aktien gibt es bei ETFs einen besonderen Mechanismus, der dafür sorgt, dass der Börsenkurs immer nah am echten Wert der enthaltenen Wertpapiere bleibt. Dieser Mechanismus heißt Arbitrage – und er wird von spezialisierten Akteuren, den sogenannten Authorized Participants und Market Makern, täglich millionenfach genutzt.
Für dich als Anleger ist es wichtig zu verstehen: ETF-Preise sind nicht willkürlich. Sie sind an den echten Wert der Bestandteile gekoppelt – mit minimaler Abweichung.
So läuft ein ETF-Kauf ab
Von deinem Klick bis zur Ausführung vergehen oft weniger als eine Sekunde – aber im Hintergrund passieren mehrere Schritte:
Du klickst in deinem Broker auf "Kaufen" und gibst Anzahl oder Betrag ein.
Dein Broker sendet die Order an Xetra, eine Regionalbörse oder den Direkthandel.
Ein Market Maker sieht deine Order und stellt einen Kauf- und Verkaufskurs (Bid/Ask).
Deine Order wird zum aktuellen Geldkurs ausgeführt – die Aktien sind in deinem Depot.
Wer ist der Market Maker?
Market Maker sind spezialisierte Finanzinstitute (z.B. Flow Traders, Jane Street, Virtu), die verpflichtet sind, jederzeit Kauf- und Verkaufspreise für einen ETF zu stellen. Sie verdienen an der Differenz zwischen Geldkurs (Bid) und Briefkurs (Ask) – dem sogenannten Spread.
Market Maker halten ständig ein Inventar an ETF-Anteilen und den zugrundeliegenden Aktien. Wenn du kaufst, verkaufen sie dir Anteile aus ihrem Bestand. Wenn du verkaufst, kaufen sie. Ihr Risiko: Der Kurs könnte sich zwischen deiner Order und ihrem Hedge bewegen. Dafür verlangen sie den Spread.
Bei großen, liquiden ETFs auf bekannte Indizes (z.B. MSCI World, S&P 500) ist der Spread oft nur 0,01–0,05 % – also fast vernachlässigbar. Bei kleinen Nischen-ETFs kann er deutlich größer sein.
NAV und iNAV – der wahre Wert
ETFs haben einen berechenbaren "fairen Wert" – den Net Asset Value (NAV). Hier sind die wichtigsten Begriffe:
Tatsächlicher Wert aller ETF-Bestandteile ÷ Anzahl Anteile. Wird täglich nach Börsenschluss berechnet.
Echtzeit-Schätzung des NAV während des Handelstages. Wird sekündlich neu berechnet.
ETF-Kurs liegt über dem NAV. Passiert bei hoher Nachfrage oder illiquiden Märkten.
ETF-Kurs liegt unter dem NAV. Kann bei Marktstress oder geringer Liquidität auftreten.
Wie Arbitrage den Kurs stabilisiert
Der Börsenkurs eines ETFs kann kurzzeitig vom NAV abweichen – aber dieser Mechanismus sorgt dafür, dass er immer wieder zurückkommt:
APs sind große Banken und Broker (z.B. Goldman Sachs, Citibank), die das Recht haben, direkt mit dem ETF-Emittenten ETF-Anteile zu schaffen (Creation) oder aufzulösen (Redemption). Sie tauschen dafür Aktienkörbe gegen ETF-Anteile und umgekehrt. Genau das macht Arbitrage möglich.
Authorized Participant kauft die zugrundeliegenden Aktien und tauscht sie gegen neue ETF-Anteile beim Emittenten
Mehr ETF-Anteile → Kurs fällt zurück zum NAV
Authorized Participant kauft günstige ETF-Anteile und löst sie beim Emittenten gegen die enthaltenen Aktien ein
Weniger ETF-Anteile → Kurs steigt zurück zum NAV
Wichtig für dich: Dieser Mechanismus läuft vollautomatisch und ständig im Hintergrund. Du musst dir als Anleger keine Sorgen machen, einen ETF deutlich über oder unter seinem fairen Wert zu kaufen – bei großen, liquiden ETFs bleibt die Abweichung minimal. Ausnahme: extreme Marktstresssituationen wie der Flash Crash 2010 oder der Corona-Crash 2020, wo kurzzeitig größere Discounts entstanden.
Wo du ETFs handelst: Xetra vs. Direkthandel
Deutsche Börse AG
09:00–17:30 Uhr
Gering (bei großen ETFs 0,01–0,05 %)
Beste Wahl für die meisten Anleger
Market Maker direkt
Bis 22:00 Uhr (je nach Broker)
Variabel – oft etwas höher
Gut für Neobroker wie Trade Republic
Bayerische Börse / Berliner Börse
08:00–22:00 Uhr
Mittel
Häufig bei comdirect, ING, DKB
Wann werden Spreads größer?
Der Spread ist die versteckte Handelskosten-Komponente. Diese Faktoren beeinflussen seine Größe:
| Faktor | Wirkung |
|---|---|
| Marktkapitalisierung des ETF | Größere ETFs → engere Spreads |
| Liquidität der Basiswerte | Liquide Indizes → engere Spreads |
| Handelszeit | Außerhalb Kernzeiten → weiterer Spread |
| Marktvolatilität | Hohe Volatilität → weiterer Spread |
| Währungsrisiko | Nicht-EUR-Basiswerte → Market Maker hedgt → höherer Spread |
Praktische Tipps für deinen ETF-Handel
Mit einer Limit-Order legst du den Maximalpreis fest. So vermeidest du, in einem kurzen Liquiditätsengpass zu viel zu zahlen.
Die ersten 15–30 Minuten nach Marktöffnung (9:00–9:30 Uhr) sind oft volatiler und spreads weiter. Besser: 10:00–16:00 Uhr.
Die meisten Broker zeigen den iNAV nicht direkt – du findest ihn auf der Produktseite des ETF-Anbieters oder bei justETF.
Bei gleichen Kosten ist Xetra meist die liquideste Wahl für große, bekannte ETFs in Deutschland.
Bei Sparplänen führen Broker die Ausführung intern durch – der Spread spielt eine geringere Rolle als beim aktiven Handel.
- ✓Market Maker stellen jederzeit Kauf- und Verkaufskurse – du handelst fast immer mit ihnen.
- ✓Der Spread (Differenz zwischen Bid und Ask) ist eine versteckte Handelskosten-Komponente.
- ✓NAV = tatsächlicher Wert des ETF-Portfolios; iNAV = Echtzeit-Schätzung während des Handelstages.
- ✓Authorized Participants sorgen durch Creation/Redemption dafür, dass der Kurs nah am NAV bleibt.
- ✓Xetra ist für die meisten Anleger die beste Wahl – größte Liquidität, engste Spreads.
- ✓Limite Orders schützen vor schlechter Ausführung bei kurzfristigen Liquiditätsengpässen.
ETF-Kauf praktisch umsetzen
Welcher Broker ist für dich der richtige? Wo handelst du am günstigsten? Im kostenlosen Erstgespräch schauen wir gemeinsam auf deine Situation und klären, wie du ETFs optimal kaufst und verwaltast.
Kostenloses Erstgespräch buchenZusätzliche Vertiefung: typische Fehlentscheidungen und bessere Alternativen
In der Praxis entscheidet selten ein einzelner Fachbegriff über dein Ergebnis, sondern die Qualität deiner Folgeentscheidungen. Genau hier passieren die meisten Fehler: Regeln werden in Stressphasen ausgesetzt, gute Gewohnheiten durch spontane Aktionen ersetzt und kurzfristige Signale überbewertet. Dadurch entsteht oft ein Ergebnis, das nicht zum eigentlichen Wissensstand passt.
Sinnvoll ist deshalb ein doppelter Blick: Was ist die fachlich richtige Richtung, und wie stellst du sicher, dass du sie auch unter Druck einhältst? Dieser zweite Teil wird häufig unterschätzt, obwohl er langfristig den größeren Renditehebel liefert. Ein robustes Regelwerk reduziert Entscheidungsrauschen und schützt vor wiederkehrenden Verhaltensfehlern.
Wenn du Stabilität willst, bewerte jede Änderung an deinem Vorgehen mit derselben Frage: Macht diese Änderung mein System klarer und verlässlicher oder nur komplizierter? Alles, was nur Komplexität erhöht, aber keine echte Prozessverbesserung bringt, sollte konsequent gestrichen werden.
Mini-Check für bessere Entscheidungen
- Ist die Entscheidung mit deinem bestehenden Regelwerk kompatibel?
- Handelst du aus Planlogik oder aus kurzfristigem Markteindruck?
- Kannst du die Entscheidung in einem Satz begründen?
- Würde dieselbe Entscheidung auch in 6 Monaten noch sinnvoll wirken?
- Welche konkrete Folgeaktion ist nötig und bis wann?
Wichtiger Hinweis
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